Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Ein neues Gesetz schreibt Hotels in Russland mehr Kundenfreundlichkeit und Transparenz vor.

Russlands Hotels werden kundenfreundlicher – per Gesetz. Die Gäste dürfen sich mit den Neuerungen ab 21. Oktober über verpflichtende kostenlose Dienstleistungen und Transparenzmaßnahmen freuen. Das Gesetz ist auch vor dem Hintergrund der Vorbereitung auf die Touristen zur Fußball-WM 2018 zu sehen.

Mit einem neuen Gesetz gelten ab 21. Oktober neue Regelungen für Hoteldienstleistungen in Russland. Unter anderem ist darin ein verpflichtender Rund-um-die-Uhr-Service für Unterkünfte mit mehr als 50 Betten enthalten. Viele weitere Dienstleistungen wie Postzustellung, Wasserkocher oder Notrufe müssen zudem kostenlos bereitgestellt werden. Falls Sie sich gewundert haben: Ja, Notrufe zu Polizei und Rettung waren offenbar nicht immer kostenlos. Auch Erste-Hilfe-Sets sind nun in jedem Fall gratis – obwohl sich die Gäste darüber hoffentlich nicht freuen werden müssen. Dazu sei aber gesagt: die alten Regelungen waren schon 18 Jahre alt. Weiter unten finden Sie noch einmal eine Auflistung der Neuerungen für Hotels in Russland.

Bessere Transparenz, Abreisezeiten und Kurztarife

Hotel Ukraina Moskau

Das Moskauer Hotel Ukraina am Ufer der Moskwa.

Neben einer vollständigen Liste kostenloser Dienstleistungen zählt auch eine vorgeschriebene Transparenz zu den Neuerungen. So müssen alle Angaben zum Betrieb deutlich sichtbar am Hoteleingang angebracht werden und die Preise für alle Dienstleistungen an der Rezeption ausgewiesen werden.

Für Hotelgäste heißt das Gesetz zudem, dass die normale An- und Abreise zum Mittag möglich sein muss. Außerdem ist bei Check-In nach Mitternacht oder Abreise vor Abrechnungsstunde nur der halbe Übernachtungstarif zu zahlen.

Neuerung bringt Klarheit für Gäste und Betreiber

Aber auch für die Hotelbetreiber gab es einige Änderungen. Das Verfahren zur Reservierung ist nun klar geregelt. Es gibt sogenannte garantierte und nicht-garantierte Buchungen. Bei garantierten Buchungen muss der Hotelbetreiber einen Tag nach der geplanten Ankunftszeit des Gastes warten. Kommt der Kunde später oder gar nicht, so muss er das Zimmer zahlen. Allerdings ist das nur auf die Summe für den ersten Tag beschränkt.

Außerdem schreibt das Gesetz vor, dass die Preise für alle Gäste einheitlich sein müssen. Ausgenommen sind lediglich Gäste bestimmter Kategorien von Bürgern wie etwa Veteranen oder Tschernobyl-Opfer.

Hotel in Moskau

Das Hotel Baltschug Kempinski in Moskau gegenüber dem Roten Platz: eine der exklusivsten Adressen in der Hauptstadt.

Die Aufgaben und Pflichten der Hotelbetreiber und der Gäste sind nun festgelegt. Das Hotel ist nun etwa für die Sicherheit der Gegenstände des Kunden verantwortlich. Der Kunde zahlt für Schäden am Eigentum des Hotels.

Von dem Gesetz ausgenommen sind Jugendherbergen, Kinder- und Jugendlager, öffentliche Herbergen und Campingplätze. Für die Einhaltung der Gesetze ist die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor zuständig.

Russland will für Touristen attraktiver werden

Die Gäste profitieren von dem Gesetz. Es kann durchaus als weiterer Schritt hin zu einem besseren Angebot an Touristen gesehen werden – auch in Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2018. In diesem Jahr hatte Russland eine Initiative gestartet, mit der mehr Touristen ins Land gelockt werden sollen. Anfang Oktober hatte in Berlin etwa ein Zweig des russischen Fremdenverkehrsamt Visit Russia eröffnet, das für Reisen ins größte Land der Erde wirbt.

Dem kommt zudem entgegen, dass die Preise für Hotelzimmer rückläufig sind. Laut der russischen Zeitung Iswestija kostete eine Doppelzimmer pro Nacht im Oktober 2015 durchschnittlich 5270 Rubel (derzeit rund 75 Euro). Das ist vier Prozent weniger als noch im September. In Moskau liegt der Durchschnittspreis deutlich höher bei 6657 Rubel pro Nacht.

Hotelketten in Russland meist mit internationalem Management

Die meisten Hotelketten des Landes befinden sich unter internationalem Management. In Russland gibt es nach Angaben der Unternehmensberatung Ernst & Young 137 international und 72 russisch verwaltete Hotelketten.

Nach Angaben der Föderalen Tourismusagentur „Rosturism“ sind insgesamt rund 11.000 Organisationen in der Hotelbranche tätig. Im vergangenen Jahr haben Rosturism zufolge 33 Millionen Menschen in russischen Hotels übernachtet. Die meisten der Zimmer liegen laut EY in Moskau (32 Prozent) und St.Petersburg (25 Prozent) gefolgt von Sotschi (13 Prozent).

Hotels in Russland

Ein Zimmer im Radisson Royal Hotel Moskau.

Die Zahl der Hotels sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, schreibt die Unternehmensberatung in ihrem Bericht. Dafür seien vor allem internationale Großveranstaltungen verantwortlich gewesen: die olympischen Winterspiele 2014 und die Formel1-Rennen in Sotschi, die Universade in Kasan 2013, der APEC-Gipfel 2012 in Wladiwostok und die bevorstehende Weltmeisterschaft 2018.

Das Gesetz ist auch vor diesem Hintergrund zu sehen und soll die Qualität in russischen Hotels steigern und die Standards für die WM erhöhen.

Die Neuerungen im Überblick:

  • Liste mit kostenlosen Dienstleistungen
  • 24h-Service
  • Angaben zu Hotel am Eingang
  • Preisliste bei Rezeption
  • Regelung der Verantwortlichkeiten von Gästen und Betreiber
  • einheitliche Preise (hotelintern)
  • Buchungsbestimmungen (garantierte Buchungen)
  • definierte An- und Abreisezeiten
  • halber Tarif bei Kurzübernachtung

 


Was sind Ihre Erfahrungen mit Hotels in Russland? Was halten Sie von den Neuerungen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare unten oder auf Facebook und Twitter. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Quellen:

Artikel Rossijskaja Gaseta

Artikel RBTH

Ernst & Young

Fotoquelle

Quelle:

Titelbild: Flickr Mighty Travels  CC BY 2.0

Flickr Radisson Royal Hotel Moscow

weitere Bilder: Simon Schütt

 

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.