Großbritannien nimmt russische Oligarchen ins Visier

Großbritannien nimmt russische Oligarchen ins Visier

Eine neue Regelung in Großbritannien setzt unter anderen russische Oligarchen unter Druck. Mit den „Unexplained Wealth Orders“ will die Regierung gegen illegale Geldbeschaffung und organisiertes Verbrechen im Land vorgehen. Dies berichtet die BBC.

Rund 90 Milliarden britische Pfund werden Schätzungen zufolge jedes Jahr im Vereinigten Königreich gewaschen. Doch damit soll nun Schluss sein. Am 31. Januar sind die sogenannten „Unexplained Wealth Orders“ auf den Inseln in Kraft getreten. Diese ermöglichen es der Regierung, verdächtige Vermögenswerte ab 50.000 Pfund unter Beschlag zu nehmen, sofern die Herkunft des Geldes vom Besitzer nicht nachgewiesen werden kann und ein Verdacht auf Korruption vorliegt.

Britischer Sicherheitsminister will kein Erbarmen zeigen

In einem Gespräch mit der britischen Times machte Sicherheitsminister Ben Wallace deutlich, dass die Maßnahmen sich vor allem gegen wohlhabende Kriminelle aus dem Ausland richten. Diesen wolle man „mit aller Regierungsgewalt“ begegnen. „Wir werden kommen, um euch und eure Gelder holen und wir werden dafür sorgen, dass ihr euch in eurer Lebensumgebung schwer tut.“ Laut der Times seien bereits etliche Ziele identifiziert worden.

Oftmals soll es sich um russische Oligarchen handeln, die laut Wallace mafiöse Strukturen im Vereinigten Königreich errichtet hätten. Der Minister verglich die herrschenden Zustände mit der neuen TV-Serie „McMafia“, die ebenfalls organisiertes Verbrechen durch die Russenmafia zum Thema hat. Zudem erinnerte an einen Fall, bei dem kürzlich 21 russische Geldwäsche-Unternehmen aufgedeckt wurden, und daran, dass man sogar Verbindungen zum russischen Staat habe feststellen können.

Mehrere Oligarchen wollen Großbritannien verlassen

Der durch die britische Regierung eingeschlagene Kurs hat bereits Reaktionen bei einigen wohlhabenden Russen ausgelöst. So leitete der Geschäftsmann Boris Titow vor kurzem eine Liste von auswanderungswilligen Unternehmern an Wladimir Putin weiter, nachdem er sich als Vermittler in das Vereinte Königreich begeben hatte. Auf ihr finden sich unter anderem der Ex-Vize von Rosneft, Anatoli Loktjonow, Euroset-Gründer Jewgeni Tschitschwarkin, der vormalige Besitzer der Trust-Bank, Ilja Jurow, der Co-Eigentümer der Holding Marta, Georgi Trefilow, sowie der Mitbegründer von Mr. Doors, Maxim Walezki. Außerdem sollen auch die Restaurantbesitzer und Brüder Roman und Michail Selman auf der Liste stehen.

Die Entrepreneurs hoffen in ihrem Vorhaben auf Unterstützung vom Kreml. Wie der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow gestern signalisierte, werde man sich – wenn nötig – der Frage einer Amnestiegewährung widmen. Zugleich betonte er jedoch, dass die Administration bisher nur über die Medien von der besagten Liste erfahren habe.

Titelbild
[toggle title=“Fotoquelle“ open=“yes“]Titelbild: Maurice, The British Parliament and Big Ben, Zuschnitt auf 1040×585 px. CC BY 2.0