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Was russische Medien zur Freilassung Golunows schreiben

Die Internetproteste, Videobotschaften und Solidaritätsbekundungen waren erfolgreich: Der Journalist Iwan Golunow ist frei, alle Anschuldigungen wurden fallengelassen. Wie russische Medien darauf reagiert haben – ein Auszug.

Kommersant

Die Tageszeitung, die gemeinsam mit den Blättern „Wedomosti“ und „RBK“ Golunow ihre Solidarität aussprach, veröffentlichte einen optimistischen Kommentar. „Die Autoritäten haben die Gesellschaft erhört“, meint Autor Dmitry Drize und äußert Freude darüber, dass zum Staatsfeiertag ein Konsens gefunden wurde. Es gelte nun sicherzustellen, dass sich so ein Fall nicht wiederhole. Drize wertet die Aussagen verschiedener Regierungsmitglieder als Bereitschaft, endlich etwas zu ändern.

Novaya Gazeta

Die regierungskritische Zeitung dankt in einem Kommentar den „Hunderttausenden“, die zur Freilassung Golunows beigetragen haben: All den Personen, die Videobotschaften aufgenommen, Blogeinträge geschrieben oder Geld für Anwaltskosten gespendet haben. Der Fall habe eine positive Botschaft  aufgezeigt: „Wenn der Aufschrei der Gesellschaft unerträglich wird, gibt es Autoritäten, die bereit sind, ihm zuzuhören.“ Allerdings müsse man weitermachen, es gebe genug Themen in Russland, die eines Aufschreis bedürften.

Republic

Die gemäßigt-oppositionelle Online-Zeitung kommentiert nur mäßig euphorisch. Golunows Freilassung sei allemal ein Grund zur Freude, allerdings würde in der Feierstimmung eines vergessen werden: Die Entscheidung, den Journalisten freizulassen, sei eine politische. „Sie wurde nicht getroffen, weil es den Anwälten gelang, etwas zu beweisen, sondern weil der Kreml aus dem einen oder anderen Grund den Skandal beenden wollte.“

Der Autor Michail Schewtschuk meint trocken, dass sich die Spielregeln der Mächtigen nicht geändern hätten, vielmehr würden Behörden das nächste Mal einfach gezielter vorgehen – wie in der Vergangenheit bereits zu Genüge geschehen. Allerdings könne der Fall breite Forderungen nach Verbesserungen des Rechtsschutzes nach sich ziehen, bei denen sich durchaus auch kreml-loyale Strukturen beteiligen könnten.

Der Originalartikel befindet sich hinter einer Paywall, die Plattform dekoder hat allerdings eine Übersetzung veröffentlicht.

Meduza

Die Internetzeitung mit Sitz in Riga – Golunows Arbeitgeber – veröffentlichte eine Stellungnahme auf Russisch und Englisch. Die Redakteure dankten allen Menschen, die ihre Solidarität bekundet hatten: „Together, we made the unbelievable happen: we stopped the criminal prosecution of an innocent man. Thank you!“

Golunow würde seine Arbeit gemeinsam mit den anderen investigativen Journalisten nun wieder aufnehmen. „This is only the beginning. We have a lot of hard work ahead of us if we are to ensure that what happened here will never happen again to anybody.“

Fotoquelle

Titelbild: Gints Ivuskans

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