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Die drei Dialog-Initiativen des Nursultan Nazarbayev

Im Kontext seiner Teilnahme am zweiten Belt-and-Road-Forum in Peking stellte der erste Präsident der Republik Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, seine Vision einer neuen globalen Architektur vor.

Die „Drei D“, so der Name der neuen Initiative, stünden für die Notwendigkeit, drei Dialoge im globalen Maßstab zu etablieren, um den Herausforderungen der geopolitischen Realität gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang wies Nasarbajew in seiner Rede auf dem Forum am 27. April auf die Steigerung der interregionalen Wettbewerbsfähigkeit hin und betonte die Bedeutung von Cyber- und Kommunikationssicherheit unter den gegenwärtigen Bedingungen. Dabei appellierte er an alle Nationen, diese Herausforderungen im gemeinsamen Interesse der Menschheit zu lösen.

„Kasachstan liegt im Herzen unseres riesigen Kontinents und wird immer für eine engere Partnerschaft innerhalb Eurasiens stehen. Unsere außenpolitische Doktrin zielt auf multilaterale Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung, Vertrauensbildung und Sicherheit ab“, erklärt Nasarbajew den Teilnehmern des hochkarätigen Forums. Dabei erinnerte er an die Erfolge des neuntgrößten Flächenlandes bei der nuklearen Abrüstung und der Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. „Wir sind bereit, weitere Maßnahmen zur Gestaltung einer globalen Architektur zu ergreifen, die zur Lösung dringender Herausforderungen in der Geopolitik und Weltwirtschaft beiträgt“, bekundet Nasarbajew. Dies soll mittels der Schaffung einer 3D-Realität erreicht werden, die auf drei Dialogen basiert.

Das erste „D“ steht für den globalen politischen Dialog zwischen den strategischen Zentren der internationalen Politik: Die Vereinigten Staaten von Amerika, Russland, China und die Europäische Union. Der zweite Aspekt bezieht sich auf die verstärkte Integration Eurasiens durch die Bündelung von Potentialen etablierter Institutionen wie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit und Europa (OSZE) und der Konferenz über Interaktions- und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA).

Aspekt Nummer drei steht für den systematischen wirtschaftlichen Dialog zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion, der Europäischen Union, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Die Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in diesem Format wird die Diversifizierung der Volkswirtschaften, die Verbesserung des Geschäftsklimas und der Investitionsattraktivität der beteiligten Länder fördern.

Mit den drei Initiativen zeigt der erste Präsident Kasachstans einen praktischen Impuls zu den geopolitischen Gestaltungsmöglichkeiten eines Groß-Eurasiens auf. Die Interessen der auswärtigen Politik Europas finden darin ihre Berücksichtigung und zugleich eine neue Orientierung in einer Phase der zunehmenden Stagnation jenes Integrationsmodells, das sich den Blick nach Osten versperrt.

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Titelbild: yakub88 / Shutterstock.com

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Über den Autor

(geb. 1994) studierte von 2013-2016 Geschichte und Soziologie an den Universitäten Tübingen und Aix-en-Provence (B.A., Licence d’Histoire). Derzeit Masterstudium der Zeitgeschichte und Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Akademische Projekte führten ihn u. a. nach Israel, Belarus, in die Russische Föderation und die Ukraine. Seine thematischen Schwerpunkte sind internationale Beziehungen, Diplomatie und die Entwicklung der Beziehungen Deutschlands zu Russland, Osteuropa, Südkaukasien und Zentralasien. Berufliche Erfahrungen in den Bereichen Politikberatung (Energiepolitik, Außenwirtschaft, internationale Wirtschaftsbeziehungen) und Aufbau von internationalen Kontakten.