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Thorsten GutmannVon

Gerhard Schröder bekommt neuen Job bei der Gazprom-Tochter Nord Stream 2

SPD-Altkanzler Gerhard Schröder bekommt einen neuen Job bei der Gazprom-Tochter Nord Stream 2. Das berichtet der Berliner Tagesspiegel, der sich wiederum auf einen Sprecher von Nord Stream 2 beruft. Schröder wird Vorsitzender des Verwaltungsrates und ist für den Bau einer Gaspipeline mitverantwortlich. Allerdings behält er seinen bisherigen Job als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der alten Gesellschaft Nord Stream.


Die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 hat ihren Sitz im Schweizer Kanton Zug. Aus dem dortigen Handelsregister geht laut Tagesspiegel hervor, dass Schröder bereits seit dem 29. Juli Präsident des Verwaltungsrates ist. Vorher war er zehn Jahre Vorsitzender des Aktionärsausschusses des ersten Pipeline-Konsortiums Nord Stream. Diese Position soll er jedoch weiterhin behalten.

Pläne für ein Konsortium waren gescheitert

Nord Stream 2 AG ist nach Unternehmensangaben eine hundertprozentige Gazprom-Tochter. Ursprünglich sollte das Projekt von einem Konsortium gesteuert werden. Interesse an einer Beteiligung zeigten das deutsche Unternehmen Wintershall, eine hundertprozentige Tochter der BASF, die österreichische OMV AG, die französische Aktiengesellschaft Engie und Uniper, die britisch-niederländische Royal Dutch Shell.

Die Pläne für ein Konsortium wurden allerdings im August durchkreuzt. Die polnische Wettbewerbsbehörde legte Einspruch gegen den Zusammenschluss ein. Polen soll laut Welt befürchtet haben, dass man „künftig von Russland erpressbar“ werde, falls „mehr Gas als bislang direkt nach Westeuropa geleitet“ wird. Zudem befürchtete Polen finanzielle Einbußen durch den „Verzicht auf Transitgebühren“.

Nord Stream und Nord Stream 2

Nord Stream 2 Logo

Das Logo von Nord Stream 2.

Nord Stream 2 will dem Unternehmen zufolge den „Bau zweier weiterer Leitungsstränge entlang der Ostsee-Trasse“ realisieren. Man wolle durch die „zusätzlichen Kapazitäten“ flexibler auf „Lieferengpässe reagieren“ und zur „langfristigen Energieversorgungssicherheit Europas“ beitragen.

Die erste Nord Stream Pipeline ist ein 1.224 Kilometer langes Pipelinesystem, das Russland durch die Ostsee mit Deutschland verbindet. An diesem Konsortium ist Gazprom zu 51 Prozent beteiligt. Auch die Energiekonzerne Eon, Wintershall, Gasunie und Engie besitzen Anteile an Nord Stream 1.

Grüne kritisieren Schröder

Gerhard Schröder muss für seinen neuen Posten viel Kritik einstecken. Der Vorsitzende der Europäischen Grünen Partei Reinhard Bütikofer soll dem Tagesspiegel gesagt haben, dass Schröder sein Engagement bei Gazprom in dem Moment verstärke, in dem „alle Welt erörtert, wie Russlands Energieexporte Russlands Kriegsexporte finanzieren“.

Das zeige Bütikofer zufolge, „wie weit Schröder sogar den Maßstab der Skrupellosigkeit hinter sich gelassen“ habe. Auch Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck äußerte sich kritisch über Schröders neuen Posten. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dagegen beteuerte schon 2015 bei einer Begegnung mit Wladimir Putin seine Unterstützung für Nord Stream 2.

Weitere Veränderungen bei Nord Stream 2

Am 28. September vermeldete das Branchenportal politik & kommunikation bereits eine Personalveränderung bei Nord Stream 2. Marion Scheller (55) ist seit dem 1. Oktober Senior Advisor for Governmental Relations mit Sitz in Zug (Schweiz). Sie wird laut politik & kommunikation „die aktuelle Entwicklung im Energiebereich und den auswärtigen Beziehungen“ beobachten. Außerdem werde sie „die Verbindung zu Regierung und Parlament sowie zu Verbänden, Thinktanks, NGOs und den Medien halten“.

Titelbild

Quellen: Wladimir Putin und Gerhard Schröder, Wikimedia / www.kremlin.ru (CC BY 4.0)

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.