Gazprom überrascht mit riesigem Gewinnsprung

Gazprom kann seinen Gewinn 2015 deutlich steigern – wieso das für das russische Staatsbudget genau zur rechten Zeit kommt

Gazproms Gewinn stieg 2015 um fast das Fünffache – allerdings gegenüber dem schwachen Vorjahr. Das kommt dem klammen Staatshaushalt dennoch sehr gelegen, denn der Staat dürfte nun dank einer neuen Anordnung satte Dividenden einstreichen.

Der russische Gasriese Gazprom hat seinen Gewinn 2015 enorm gesteigert: um fast das Fünffache im Vergleich zum Vorjahr. Das gab das Unternehmen am gestrigen Donnerstag, den 28. April 2016 bekannt.

Der Reingewinn belief sich demnach 2015 auf 787 Milliarden Rubel (rund 12,2 Milliarden US-Dollar). Analysten hatten in einer Bloomberg-Umfrage im Durchschnitt mit nur 758 Milliarden gerechnet. Der Umsatz legte um neun Prozent auf umgerechnet 93,8 Milliarden Dollar zu.

Der Gewinnsprung ist wohl hauptsächlich auf den stark schwankenden Rubelkurs zurückzuführen. Der hat sich auf Finanzergebnis weniger negativ ausgewirkt als im Jahr 2014, als Russlands Währung konstant gefallen war. Der Basiseffekt ist also groß.

In den drei Jahren zuvor hatte der Gewinn zum bei jeweils über einer Billion Rubel gelegen – bei einem wesentlich besseren Dollar-Wechselkurs.

Export nach Europa gestiegen

Ebenfalls interessant: Gazprom verkaufte 2015 mit 184 Milliarden Kubikmeter rund 16 Prozent mehr Gas nach Europa als im Vorjahr. Der Erlös stieg um rund ein Viertel auf umgerechnet 33,4 Milliarden Dollar. Hier spielte allerdings wie auch beim Rubelkurs der Basiseffekt eine Rolle – die Basis von 2014 war nämlich vergleichsweise gering.

Die Neue Zürcher Zeitung hat übrigens ebenfalls einen ausführlichen Artikel zu den Gazprom-Gewinnen veröffentlicht, den wir an dieser Stelle empfehlen möchten.

Wieso der russische Staatshaushalt vom gestiegenen Gewinn profitiert

Von den erhöhten Gewinnen profitiere vor allem auch der russische Staatshaushalt, merkte das Nachrichtenportal Bloomberg in einem Artikel an. Der Kreml als Anteilseigner von 50 Prozent plus einer Aktie profitiere von einer höheren Dividende, die erst kürzlich von der Regierung verordnet wurde – das käme in Zeiten klammer Staatskassen genau zur rechten Zeit.

Erst letzte Woche hatte die russische Regierung nämlich erlassen, dass russische Staatsunternehmen mindestens die Hälfte ihrer Gewinne ausschütten müssen. Auch vor dem Hintergrund, dass dann der Staatshaushalt zusätzliche Einnahmen verbuchen könnte.

Wie hoch die Ausschüttung nun konkret sein wird, stehe allerdings noch nicht fest, beruft sich Bloomberg auf einen Analysten. Das hänge davon ab, ob sie nach russischen oder internationalen Accounting-Standards bemessen werde.

Klar ist aber schon jetzt: Das wird bei diesem Gewinn nicht gerade wenig sein.

Gazprom werde die Entscheidung aber auf Basis der Direktive der Regierung machen, sagte Bloomberg heute ein Gazprom-Vertreter. Man müsse eine „Interessensbalance“ zwischen Anteilseignern und dem Unternehmen finden.

[accordion open_icon=“remove“ closed_icon=“plus“] [toggle title=“Titelbild“ open=“yes“] Quelle: Gazprom-Pressefoto [/su_spoiler]