Thorsten GutmannVon

China und Georgien starten Freihandelszone

China sucht nach neuen Transportrouten im Westen. Ein Weg führt durch Tiflis. Am 1. Januar 2018 trat der Freihandel zwischen China und Georgien in Kraft. Peking ist einer der wichtigsten Geschäftspartner des Landes, das auch einen Freihandel mit der EU betreibt.

Georgien ist das erste Land entlang des Seidenstraße-Wirtschaftsgürtels, das einen Freihandel mit China umsetzt. Wein, Mineralwasser, Honig, Tee, Obst, Gemüse und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Georgien dürfen ab sofort ohne Zölle nach China geliefert werden. Für China ist es das 15. Handelsabkommen dieser Art. 2010 trat das ASEAN-China-Freihandelsabkommen in Kraft, an dem unter anderem Indonesien, Thailand und Vietnam teilnehmen.

Bereits seit September 2015 existierten Pläne über eine gemeinsame Freihandelszone. Schließlich unterzeichneten im Mai 2017 beide Seiten ein Memorandum. In den vergangenen Jahren ist der bilaterale Handel stark angezogen. Zudem investierten chinesische Unternehmen Millionenbeträge in Georgiens Wirtschaft und die Infrastruktur des Landes.

Georgische Weinexporte nach China legen zu

Nach Angaben der National Wine Agency of Georgia seien 2017 rund 7,5 Millionen Weinflaschen nach China exportiert worden. Dies entspreche einem Anstieg von 43% gegenüber 2016. Damit steht China weltweit auf Rang 3 der wichtigsten Abnehmer für georgischen Wein. Darüber hinaus gilt Peking nach der Türkei und Russland als drittwichtigster Handelspartner Georgiens. Zwischen Januar und November 2017 betrug das Handelsvolumen rund 834 Millionen US-Dollar.

Im Zuge des Tbilisi Silk Road Forum im November 2017 unterzeichneten China und Georgien weitere Vereinbarungen zur Entwicklung von Wirtschaftszonen und anderen Geschäftsbeziehungen. Georgien gilt als wichtiger Baustein zur Wiederbelebung der historischen Seidenstraße. Erst zuletzt sicherte sich Peking einen logistischen Vorteil, indem ein chinesischer Konzern einen Mehrheitsanteil an einer Industriezone am Schwarzen Meer erworben hatte.

Schwarzmeer-Hafen für Neue Seidenstraße

Ein weiterer Konzern aus China investierte 50 Millionen US-Dollar in die Entwicklung eines Tiefseehafens in der georgischen Region Anaklia. Das Gebiet gilt laut Forbes als zukünftiger Transitkorridor zwischen Europa, Zentralasien, dem Mittleren Osten und China. Der Hafen sowie die Industriezone sollen über 8.000 neue Jobs schaffen. Mit diesen Plänen will Georgien zu einer der wichtigsten Wirtschaftsnationen entlang der Seidenstraße heranwachsen, erklärte das Anaklia Development Consortium (ADC).

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Titelbild: esfera / Shutterstock.com

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de mit Sitz im Stadtzentrum von Moskau.

Trotz Wirtschaftskrise und Sanktionen verlegte er seinen Lebensmittelpunkt 2016 nach Russland. Nun informiert er Leser im DACH-Raum über das Business in Russland, China und anderen Länder entlang der Neuen Seidenstraße. In Zeiten der politischen Grabenkämpfe bemüht er sich um wertneutralen Journalismus und konstruktiven Dialog zwischen Ost und West.

Zudem organisiert er am 21. September 2018 in Berlin die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland. Im Fokus steht die deutsch-russische Zusammenarbeit in den Bereichen Industrie 4.0 und Digital Business. Mehr Informationen und Tickets erhalten Sie hier.

 

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