Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Wie man einem Rubel-Double aufsitzt und wieso Sie nicht-registrierte Taxis vermeiden sollten

Die Kassiererin des Supermarktes gleich in der Nähe meiner Moskauer Wohnung sah sich meine Rubel-Scheine, die sie entgegennahm, immer sehr genau an. Am Anfang dachte ich, das liege an dem Misstrauen gegenüber dem mit Akzent sprechenden Ausländer – also mir. Doch ich wurde eines Besseren belehrt.

Erstens stellte ich bald fest, dass sie auch die Scheine der anderen Kunden befühlte und gegen das Licht hielt und zweitens erzählte mir ein deutscher Freund folgende Geschichte:

Wie mein Freund zu 500 Dubel kam oder: „Eine erstaunlich günstige Taxifahrt“

Es war die Geschichte einer „erstaunlich günstigen Taxifahrt“, wie er es nannte. Ihm kam zwar der Fahrpreis niedrig vor, den er mit einem Moskauer Taxifahrer aushandelte, doch es war ein später Freitagabend, er wollte nach Hause und dachte sich nichts dabei.

Er hatte zuvor mehrere Fahrer gefragt. Sie alle nannten ihm als ungefähren Preis 500 Rubel. Nur einer lag mit 300 Rubel deutlich darunter. Das hätte ihn misstrauisch machen sollen, doch der Fahrer brachte ihn wohlbehalten nach Hause. Er zahlte mit einem 1000-Rubel-Schein, der Fahrer gab ihm Wechselgeld heraus. Der Freund ging schlafen.

Als er in der Woche darauf in die Mittagspause gehen wollte, bemerkte er, dass ein Rubel-Schein in seiner Geldbörse merkwürdig aussah. Nämlich so:

Der „Falsche 500er“

Falschgeld in Russland – 500 Dubel

Für den Fall, dass Sie kyrillische Buchstaben nicht lesen können: Mein Freund stellte fest, dass er nun um 500 „Dubel“ reicher war („Dublej“ statt „Rublej“ steht dort, um genau zu sein).

Nach einiger Überlegung war er sich sicher, dass der Schein vom Wechselgeld des Taxifahrers stammen müsse. An den Fahrer erinnerte sich mein Freund aber kaum. Grimmiger Typ. Sonst konnte er nicht viel sagen, weil er nur wenige Worte mit ihm gewechselt hatte. Aber nun lag da dieser Schein.

500 Dubel also – ein durch und durch passender Name. Bei genauer Betrachtung und beim Vergleich mit einem echten Schein waren die Unterschiede offensichtlich: Kein Waserzeichen, keine Nummer. „Kein gültiges Zahlungsmittel“, steht sogar in roter Schrift darauf. Aber erkennen Sie das mal als Ausländer und im Dunkeln.

Suchbild

Hier noch einmal in der Gegenüberstellung: Finden Sie die Unterschiede? Sie können gerne unten in die Kommentare schreiben.

500 Dubel

Suchbild: Oben Rubel, unten D(o)uble. Finden Sie die Unterschiede?

Kleiner Tipp: Der Witz liegt im Detail – buchstäblich. Denn ausgestellt hat die untere Banknote die „Scherz-Bank“.

Der Freund war jedenfalls erleichtert, dass er erstens nicht versucht hatte, damit zu zahlen – ein Ausländer zahlt mit Spielgeld, das käme sicher gar nicht gut. Und zweitens, dass es nur ein kleinerer 500-Rubel-Schein (knapp 7 Euro) und kein 5000er war. Ein Double in dieser Höhe brauche er dann doch nicht, sagte er. Bei 500 könne man noch darüber lachen. Aber klar, das sei auch leichtsinnig von ihm gewesen.

Bloß nicht mit nicht-registrierten Taxis fahren!

Russische Taxifahrer beschweren sich über Taxi-AppsIn Zukunft werde er nun aber immer auf die Registrierungsnummer des Taxis achten, nahm er sich vor. Er wolle zudem nur noch über Taxi-Apps (Yandex.Taxi, Gettaxi, Uber) und renommierte Taxi-Dienste bestellen. Auch werde er nach Möglichkeit nicht bar zahlen.

Den russischen Freunden, denen wir davon erzählten, mussten natürlich schmunzelten. Ihnen sei das noch nie passiert. (Meine Vermutung dabei: Ausländer sind wahrscheinlich die leichteren Opfer.) Allerdings sagten sie auch, dass der Freund selbst Schuld sei, mit einem nicht-registrierten Taxi zu fahren. Tenor: Wenn sie dich nicht umbringen, bringen sie dich zumindest um dein Geld.

Machen Sie es einfach wie meine Kassiererin

Ob Falschgeld in Russland nun ein verbreitetes Problem ist, kann ich anhand dessen nicht sagen. Wahrscheinlich aber nicht mehr als in Deutschland, denn schließlich werden auch dort die größeren Scheine an der Kasse in speziellen Scannern überprüft.

Meine Moskauer Kassiererin kontrollierte jedenfalls weiterhin fleißig. Für sie habe ich nun deutlich mehr Verständnis. Ich bin nun ebenfalls vorsichtiger und habe mich sogar schon dabei ertappt, wie ich das Wechselgeld ebenfalls gegen das Licht hielt. Besonders die 500-Rubel-Scheine.

Das Happy End

500 Dubel

Dieser Kaufmannsladen ist bereit für den Handel mit Russland.

Falschgeld angedreht zu bekommen ist natürlich ärgerlich, doch diese Geschichte hat ein Happy End.

Das Spielgeld wurde nämlich dann doch noch seiner ordnungsgemäßen Bestimmung zugeführt: Die kleine Nichte meines Freundes in Deutschland ist jetzt die stolze Besitzerin der 500 Dubel. Nun macht sie in ihrem Kaufmannsladen auch internationale Geschäfte. Früh übt sich.

In diesem Sinne: Willkommen im Russlandgeschäft.

Fotoquelle

Quelle:

Bild von Simon Schütt.

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.