Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Patrick VolknantVon

Umstrittene Pipeline Nord Stream 2 wird immer wahrscheinlicher

Die EU-Kommission scheint sich einer Durchsetzung des intern kritisierten Pipelineprojekts mit Gazprom zunehmend anzunähern. Euractiv.com zitiert offizielle Vertreter, die ein Zustandekommen des Deals für „sehr wahrscheinlich“ halten.

Am vergangenen Montag hat die Europäische Kommission ein Übereinkommen mit dem russischen Energiekonzern Gazprom verkündet. Demzufolge soll das Unternehmen eine freie Energielieferung innerhalb Europas zu wettbewerbsfähigen Preisen garantieren.

Von Russland direkt nach Deutschland

Hierfür will man alle vorhandenen Begrenzungen des Gashandels in Polen, Tschechien, Ungarn, Litauen, Estland, Lettland, Bulgarien und der Slowakei aufheben. Im Gegenzug soll Gazprom eine empfindliche Strafzahlung erlassen werden, die bis zu 10% seines jährlichen Umsatzes hätte betragen können.

Durch das Projekt soll Deutschland auf unmittelbare Weise mit einer Pipeline durch die Ostsee mit russischen Gas versorgt werden. Die Verbindung verliefe dabei auch durch die Ukraine. Geplant ist eine Ausweitung der bereits vorhandenen Nord-Stream-Pipeline auf doppelte Kapazität. Rund 50 Milliarden Kubikmeter russischen Gases könnten durch die Nord Stream 2 nach Europa fließen.

Uneinigkeit innerhalb der Kommission

Innerhalb der EU-Kommission ist das Vorhaben umstritten. So äußerte unter anderem Maroš Šefčovič, Vizepräsident der Kommission, die Sorge, dass das Projekt die bereits führende Marktposition Gazproms noch weiter ausbauen würde. Insbesondere die osteuropäischen Staaten befürchten eine zu starke Abhängigkeit vom russischen Staatskonzern und dessen Gas.

Entscheidend für die Zukunft des europäischen Marktes

Sicher ist: Der Pipeline-Ausbau hätte große Auswirkungen auf die Struktur des europäischen Gasmarktes und würde diesen für die nächsten Jahre entscheidend prägen. Seit Längerem versucht Europa, seine Bezugsquellen für Gas auf möglichst viele Länder auszuweiten, um flexibler in seiner Energieversorgung zu werden. Jedoch scheint Russland gegenüber seinen Konkurrenten den Vorteil auf seiner Seite zu haben, das Gas billiger, schneller und potenziell zuverlässiger liefern zu können.

Titelbild

 Quelle: Thawt Hawthje, Gazprom, Size changed to 1040x585px., CC BY 2.0 

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.