Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Simon SchüttVon

Was am ersten Tag des Petersburger Wirtschaftsforums geschah

Gestern hat das St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) eröffnet. Hier einige der wichtigsten Äußerungen des ersten Tages. Das Forum dauert noch bis Samstag, den 18. Juni an. 

Der erstmals seit 2014 nach Russland gereiste EU-Kommisionspräsident Jean-Claude Juncker sprach sich in seiner Rede (hier zum Nachlesen) für einen Dialog mit Russland aus. Russland habe die Prinzipien der europäischen Sicherheitsstruktur erschüttert. „Das darf nicht ignoriert werden. Aber wir müssen im Gespräch bleiben“, betonte er. Für eine Aufhebung der Sanktionen sei die vollständige Erfüllung von Minsk-2 erforderlich. „Darin ist sich die EU einig“, sagte Juncker. Zum umstrittenen Pipeline-Projekt Nord Stream 2 sagte er nichts. Später traf er sich mit dem russischen Präsidenten Putin zum Gespräch.

Sarkozy: Russland sollte den ersten Schritt machen, die Sanktionen aufzuheben

Ebenfalls viel Beachtung fanden die Äußerungen des ehemaligen französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy. Er forderte „den Stärkeren“, Russland, auf, den ersten Schritt bei der Aufhebung der Sanktionen zu machen. „Ich denke, wir müssen die Sanktionen entfernen. Der Stärkere muss zuerst die Hand ausstrecken […] Die stärkste Seite hier ist Russland und Präsident Putin“, sagte Sarkozy.

Das analysierte ein russischer Experte bei Vedomosti jedoch wie folgt: Sarkozys Stimme habe aber nur symbolisches Gewicht und seine Äußerungen seien vor allem an die russische Bevölkerung gerichtet gewesen – frei nach dem Motto: Wenn du eingeladen bist, sage etwas Nettes“.

Der Aufforderung erteilte dann auch Wirtschaftsentwicklungsminister Alexej Uljukajew sogleich eine Absage: Man bereite schon die Dokumente für eine Sanktionsverlängerung vor und habe nicht vor, die Sanktionen aufzuheben.

Ebenfalls symbolisch äußerte sich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon: Man müsse die Kommunikation stärken und Brücken statt Mauern bauen, sagte er. „Nur ein Kompromiss, Dialog und die gemeinsamen Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft mit der Teilnahme Russlands kann den Weg nach vorne bereiten.“

Lukoil will europäische Aktiva verkaufen

Das russische Öl-Unternehmen Lukoil kündigte auf dem Forum an, dass man seine europäischen Aktiva verkaufen wolle. Die Vermögenswerte in Italien, Rumänien, Bulgarien und den Niederlanden sollten zusammen oder separat verkauft werden, sagte Lukoil-Präsident Wagit Alekperow. Die Europäischen Assets seien für das Unternehmen „nicht strategisch“, beschrieb er gegenüber RBC. Man habe sich in den vergangenen Jahren überwiegend auf die Exploration und Entwicklung von Öl- und Gasfeldern fokussiert.

Der Ex-Finanzminister und Vorsitzende des Zentrums für Strategische Forschung, Alexej Kudrin, nannte auf dem Forum seine Vorhersagen für den Ölpreis. Sie blieben in den nächsten drei Jahren volatil und lägen wahrscheinlich zwischen 40 und 60 Dollar pro Barrel.

Rosneft und der italienische Mineralölkonzern Eni kündigten zudem eine Ausweitung ihrer Kooperation an. Sie solle nun auch auf Exploration und Technolgie-Entwicklung ausgedehnt werden, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin.

Titelbild

Quelle: TASS

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.