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Welche Schwierigkeiten russische Unternehmer bei der Eröffnung von Geschäftskonten in Deutschland haben

Nicht nur deutsche Unternehmer in Russland haben mit der Bürokratie und anderen Hürden zu kämpfen. Russischen Unternehmern in Deutschland geht es ebenso. Im heutigen Gastbeitrag geht es um die Schwierigkeiten bei der Eröffnung von Geschäftskonten in Deutschland. 

Ein Gastbeitrag von Andreas Kindsvater, BPEC Consulting


Bereits im Mai beschrieben wir, welche Schwierigkeiten russische Unternehmen haben, die in Deutschland investieren wollen und sich dabei um einen Kredit bei deutschen Geschäftsbanken bemühen. Eine Besserung der Lage ist bisher nicht eingetreten, ganz im Gegenteil. Verstärkt kommen Kunden zu uns, die bereits ein Unternehmen in Deutschland gegründet und angemeldet haben, jedoch kein Geschäftskonto bei einer deutschen Geschäftsbank eröffnen können.

Deutsche Firma ohne Geschäftskonto

Die Problematik klingt auf den ersten Blick banal, offenbart sich bei näherer Betrachtung jedoch als ebenso skurril, wie grundsätzlich untragbar. Russischen Unternehmer, die in Deutschland langfristig kommerziell aktiv sein wollen und daher in der Bundesrepublik – u.a. in Kooperation mit etablierten deutschen Geschäftspartnern und Rechtsanwälten – deutsche Gesellschaften gründen, wird von Seiten der Großbanken die Eröffnung von Geschäftskonten zunehmend verweigert. Vor welchen konkreten Problemen die betroffenen Personen zumeist stehen, lässt sich am besten anhand eines jüngsten Beispiels aufzeigen.

In einem korrekten Fall, wurde in einer deutschen Metropole durch unser Haus in Treuhand eine GmbH gegründet und angemeldet. Sämtliche Einlagen wurden geleistet, die Gesellschaft wurde in das Handelsregister eingetragen, alle notwendigen Dokumente juristisch geprüft und notariell beglaubigt. Die Gesellschaft eröffnete ein Geschäftskonto bei einer etablierten deutschen Großbank. Infolge der vorab vereinbarten Abtretung der Gesellschaftsanteile an den russischen Auftraggeber folgte jedoch die „böse“ Überraschung: die Bank macht von ihrem Recht gebrauch, die Geschäftsbeziehung infolge eines Gesellschafterwechsels zu beenden und kündigt das Geschäftskonto.

Der Klient besitzt nun seine ordentlich in Deutschland angemeldete GmbH, jedoch kein Firmenkonto. Er bittet uns darum, die Angelegenheit zu klären. Kein Problem, könnte man meinen.

Keine Geschäftsbeziehungen mit Personen ohne Deutsch- oder Englischkentnisse

Sämtliche Bemühungen, ein Firmenkonto bei einer anderen großen Geschäftsbank zu eröffnen,  scheitern jedoch. Die vorgetragenen Argumente sind zumeist ebenso durchsichtig wie lächerlich: man wolle von einer Geschäftsbeziehung mit Personen, die des Deutschen und Englischen nicht mächtig seien, grundsätzlich Abstand nehmen. Eine adäquate Betreuung dieser Kunden sei so nicht möglich.

Das von unserer Seite vorgetragene Gegenargument, wonach die betroffenen Personen nicht nur bestens Englisch sprächen, sondern auch über hervorragende Deutschkenntnisse verfügen und zudem in der Bundesrepublik gemeldet sind, wird ignoriert. Schnell wird klar, dass in diesen Angelegenheiten eine Zusammenarbeit mit deutschen Großbanken kaum möglich ist.

Gesellschafter aus der Russischen Föderation, so unsere Beobachtung, werden weit mehr als misstrauisch betrachtet.

Während angesichts der politischen Spannungen gewisse Bedenken der Finanzinstitute zweifelsfrei nachvollziehbar sind, wirkt das durch solch eine Verweigerungshaltung gesendete Signal umso fataler: Wo kein Geschäftskonto existiert, kann oft keine Steuernummer vergeben werden, kann kein Geld eingehen, können Rechnungen und Steuern nicht ordentlich bezahlt werden.

Viele russische Unternehmer finden sich dadurch schnell inmitten einer frustrierenden bürokratischen Maschinerie wieder, die hohe Kosten generiert und ihnen neue Hürden in den Weg legt. Meist dauert es nicht lange, bis diese Personen mit der Idee der Abwanderung in anderenStaaten, so etwa Italien oder Großbritannien, liebäugeln.

Kleinere, aber feinere Partner finden 

Die Lösung oben genannter Problemfälle finden wir üblicherweise in der Zusammenarbeit mit kleineren, dafür überschaubareren deutschen Privatbanken.

Auch hier verläuft indes die Kontoeröffnung nicht immer zügig: neben dem Faktor Vertrauen, muss von Seiten des Antragstellers durchaus einiges an Informationen und Geschäftsinterna, weit über den Standard hinaus, übermittelt werden. Ebenso gilt es selbstverständlich eine seriöse Bank zu finden, die neben „kurzen Wegen“ auch über ausreichend Zeit und Interesse verfügt, mit Neukunden aufklärende und vertrauensvolle Gespräche zu führen.

In Zeiten automatisierter, teils digitalisierter Entscheidungsprozesse in den Großbanken, ist dies leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso wichtiger ist es daher mit erfahrenen Partner zusammen zu arbeiten, die eine schnelle und direkte Lösung solcher Probleme anbieten können.


Über den Autor

Russische Investoren und die Zweifel deutscher Geschäftsbanken

Andreas Kindsvater

ist Prokurist der BPEC Consulting GmbH & Co. KG. Die deutsche Unternehmensberatung unterstützt russische Geschäftsleute beim Markteintritt in Deutschland, der Firmengründung und Organisation von Aufenthaltstiteln sowie allen Fragen des internationalen Projektmanagements. Hierbei arbeitet BPEC Consulting eng mit Partnern aus der Rechtsberatung und der Immobilienbranche zusammen.

Kontakt: http://bpecs.ru/contact-us/

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