Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Thorsten GutmannVon

ERA-GLONASS: Russland stoppt Import von Gebrauchtwagen

Ab dem 1. Januar 2017 treten neue technische Vorschriften der Zollunion in Kraft, berichtet die staatliche Tageszeitung „Rossijskaja gaseta“. Demnach dürfen Gebrauchtwagen nicht mehr in die Russische Föderation importiert werden, sofern sie nicht mit dem russischen Notrufsystem „ERA-GLONASS“ (Emergency Response System) ausgerüstet sind. 

Der Bundeszolldienst der Russischen Föderation warnt auf seiner Website vor dem Import ausländischer Gebrauchtwagen. Die Behörde will zum Jahreswechsel keine Fahrzeugbriefe (russisch: „паспорт транспортного средства“) ausstellen, sofern die Gebrauchtwagen nicht mit dem obligatorischen Warnsystem „ERA-GLONASS“ ausgestattet sind.

Dem IT-Portal Heise online zufolge muss „ERA-GLONASS“ seit 2015 in russischen Pkw, Lkw und Bussen integriert sein. Ab 2017 soll das System in allen Fahrzeugen der Eurasischen Wirtschaftsunion enthalten sein. Alte Fahrzeuge müssen nachgerüstet werden.

Einfluss auf den russischen Automobilmarkt

Die Regelung betrifft nicht nur Neu-, sondern auch Gebrauchtwagen. Das Einfuhrverbot gelte sowohl für Privatpersonen als auch für Autohändler. Die Vorschrift werde den russischen Gebrauchtwagenmarkt maßgeblich verändern, warnen Experten. Während die Nachrüstung bei großen Mengen an Autos noch erschwinglich sei, lohne sich die Einfuhr von Gebrauchtwagen für Privatpersonen nicht mehr. Für „Oldtimer“ gelte eine Ausnahmeregelung. Autos, die vor mindestens 30 Jahren gebaut wurden, dürfen ohne „ERA-GLONASS“ nach Russland importiert werden.

Am stärksten betroffen seien Gebiete in Sibirien und im Fernen Osten. Davor warnt Wjatscheslaw Lysakow, der erste Stellvertretende Vorsitzende des Duma-Ausschusses für konstitutionelle Gesetzgebung und Vorsitzender der Autofahrer-Organisation „Freie Wahl“. Im russischen Osten würden zahlreiche Fahrzeuge zur Schneeräumung sowie Bohrgeräte und Baumaschinen aus Japan importiert, so Lysakow.

Autopreise in Russland könnten ansteigen

Andere Experten wiederum halten die neue Maßnahme für weniger problematisch. So wurden auto.mail.ru zufolge in den ersten elf Monaten 2016 bloß etwa 30.000 Gebrauchtwagen nach Russland importiert. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen des russischen Gebrauchtwagenmarkts würde 4,76 Millionen betragen. Auch sei vorstellbar, dass die Behörden im Laufe der Zeit ein vereinfachtes Importverfahren entwickeln.

Die verpflichtende Integration von „ERA-GLONASS“ könne zu einem Anstieg der Autopreise führen, warnte ein Automobil-Experte in der „Rossiskaja gaseta“. Unter Berücksichtigung einer Rubelabwertung Anfang 2017 könne mit einem Preisanstieg von fünf bis sieben Prozent gerechnet werden. Dies wiederum könne eine abflauende Nachfrage nach Autos zur Folge haben – und den russischen Automobilmarkt schwächen.

Einfuhr von Audi, BMW & Co. nach Russland

Laut der „Rossiskaja gaseta“ werden Luxusmarken die Ausfuhr nach Russland reduzieren. Grund hierfür sei der obligatorische Einbau des Notrufsystems. Audi und BMW kündigten bereits an, die Modellpalette in Russland zu verringern. Noch unklar sei, wie Lamborghini, Ferrari, Aston Martin und Maserati reagieren.

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Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.