Thorsten GutmannVon

EAWU und Indien planen Freihandelszone

Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) und Indien wollen ab Januar 2018 über die Errichtung einer gemeinsamen Freihandelszone verhandeln. Dies berichtet die belorussische staatliche Nachrichtenagentur Belta.

Der indische Botschafter in Russland, Pankaj Saran, sprach beim 4. Eurasischen Wirtschaftskongress in Moskau über die Pläne einer gemeinsamen Freihandelszone. Durch die Errichtung eines Freihandels könne der Warenumsatz zwischen Indien und den Ländern der EAWU auf 50 bis 60 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, erklärte der Diplomat. Die Wirtschaftsunion sei von großem Interesse für Indien. Besonders interessant sei die Zusammenarbeit in den Bereichen IT, Medizin und Dienstleistungen.

Am Kongress unter Mitwirkung der Eurasischen Wirtschaftskommission haben mehr als 800 Menschen teilgenommen. Er dient als Dialogplattform für Geschäftsleute und Politiker im eurasischen Raum. Zu den Themen zählten das Zollgesetzbuch der EAWU, ein einheitlicher Markt für Arzneimittel, die Bildung eines Energiemarktes und Kooperationen in der Industrie.

EAWU-Mitgliedsländer und Handelspartner

Die EAWU-Mitgliedsländer sind Russland, Kasachstan, Belarus, Kirgistan und Armenien. Ein Freihandelsabkommen besteht mit Vietnam, Usbekistan und Moldawien. Laut des russischen Vize-Wirtschaftsministers Alexei Grusdew führt Moskau bereits Verhandlungen mit Israel. Auch mit Ägypten wolle die EAWU über eine Freihandelszone sprechen.

Zu den möglichen Kandidaten für eine Freihandelszone zählen außerdem die Türkei, Tunesien, Simbabwe, Iran und die Volksrepublik China. Im Jahr 2015 schlug der russische Botschafter Wladimir Tschischow vor, eine Kooperation mit der Europäischen Union zu errichten. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von der Möglichkeit einer Freihandelszone „von Lissabon bis Wladiwostok“. Voraussetzung sei die friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts.

Zudem warb Industrieminister Denis Manturow im Oktober bei einer Lateinamerika-Reise um einen Freihandel mit Kolumbien. Potenzial für den bilateralen Handel erkenne er in den Bereichen Chemieindustrie, Metallurgie, Landwirtschaft, Biomedizin, Bauwirtschaft und IT. Vor allem russische Autobauer wie Kamaz und GAZ seien am kolumbischen Markt interessiert.

Zollkodex der Wirtschaftsunion

Im November 2017 ratifizierten die Mitgliedsländer der EAWU einen neuen Zollkodex. Er soll die Einfuhrbestimmungen auf einen gemeinsamen Nenner bringen und das Zollrecht vereinfachen, weil viele nationale Regelungen wegfallen. Der Zollkodex tritt am 1. Januar 2018 in Kraft.

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Titelbild: Russlands Präsident Wladimir Putin und Indiens Premierminister Narendra Modi. Quelle: kremlin.ru (CC BY 4.0)

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.