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Russland diskutiert: Wird der Rubel zu stark für die Exporteure?

In Russland ist eine Diskussion um den Rubel-Wechselkurs entbrannt. Sie begann, nachdem der für die Wirtschaft zuständige Präsidentenberater Andrej Belousow sich dahingehend geäußert hatte, dass der Rubel zu stark sei. Das führe zu einer Verlangsamung des Exportwachstums, sagte er am Donnerstag, den 21. Juli.

Der beste Ansatz für das Föderale Budget könne es sein, den Wechselkurs bei 65 bis 70 Rubel für einen Dollar zu behalten, sagten mehrere weitere Offizielle gegenüber Vedomosti. Das sei bei dem derzeitigen Ölpreis für Russland am vorteilhaftesten.

Die russische Zentralbank wies die Forderung umgehend zurück. Man plane nicht, sich vom freischwebenden Rubelwechselkurs (Float) zu verabschieden und so einzugreifen, sagte die Bank gegenüber TASS.

Zentralbank: Schwebender Rubelkurs ist „eingebauter Stabilisator“

„Der schwebende Kurs ist der eingebaute Stabilisator, der seine Effizienz unter Beweis gestellt hat. Der Rubel-Float ist der Mechanismus, der es erlaubt, die Interessen von verschiedenen Wirtschaftsgruppen zu balancieren, insbesondere die von Importeuren und Exporteuren“, hieß es von der Zentralbank.

Kreml: Rubel benötigt Maßnahmen für die exportorientierten Industrien

Auch Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow hatte sich zuvor gegenüber TASS geäußert, dass die Stärkung des Rubels eine Feinabstimmung der verschiedenen Wirtschaftssektoren und ihrer Unterstützung erfordere. „Er [der Rubel] benötigt jegliche Maßnahmen bezüglich exportorientierter Industrien. Das erfordert solche Maßnahmen, die im Voraus vorbereitet werden sollten“, sagte Peskow. Die Stärkung der nationalen Währung habe jedoch auch einige positive Seiten. Eine Balance sei in jedem Fall nötig.

Entwicklung des Dollar-Rubel-Wechselkurses der russischen Zentralbank vom 31. Dezember 2015 bis zum 26. Juli 2016.

Entwicklung des Dollar-Rubel-Wechselkurses der russischen Zentralbank vom 31. Dezember 2015 bis zum 26. Juli 2016. Quelle: Russische Zentralbank

Der Dollar ist gegenüber dem Rubel seit Jahresbeginn um knapp 13 Prozent gefallen (31.12.2015: 1 Dollar=72,88 Rubel; 21.07.2016: 1 Dollar=63,42 Rubel). Gleichzeitig hat sich die Rubel-Volatilität reduziert. Der Rubel-Dollar-Kurs blieb zwischen April und Juli zwischen 63 und 67 Rubel für einen Dollar.

In einer Studie, die die Zentralbank durchführte, gaben 69 Prozent der Unternehmen und ein Drittel der Exporteure an, dass sie einen stärkeren Rubel bevorzugen. 31 bzw. 22 Prozent sagten hingegen, man wolle einen schwachen Rubel. Kein einziges Unternehmen sagte, dass es einen schwachen Rubel brauche, um den Export zu beginnen.

„Sie [Unternehmen] wollen modernisieren. Sie sind an neuem Equipment interessiert, das oft importiert wird“, sagte Zentralbankchefin Elvira Nabiullina und fügte hinzu, dass sie dieses Resultat überrasche. „Normalerweise sprechen sich Unternehmen eher für einen schwächeren Wechselkurs aus.

Anmerkung: Zuvor war hier von einer Stärkung des Rubels um 27 Prozent seit Jahresbeginn die Rede. Diese Angabe stammt von TASS, stimmt aber nicht. RBC spricht von 16 Prozent seit Jahresbeginn. Wir haben den Zentralbank-Kurs vom 31. Dezember 2015 mit dem des 21. Julis verglichen. 

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Quelle: Pixabay.com

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