Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Alexandra KostinaVon

Im Jahre 2013 beginnt die Fahrradrevolution in Moskau. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin verspricht bis 2014 mindestens 200 Kilometer Wege für Radfahrer zu bauen. In diesem Zusammenhang startet das Projekt Velobike – ein System zum Ausleihen von Fahrrädern im Zentrum vom Moskau. Wir möchten in diesem Beitrag beschreiben, wie sich das System entwickelt und wie es funktioniert.

Das System startete im Jahr 2013 mit 30 Stationen und 270 Fahrrädern. Maßgeblich beteiligten sich am Projekt die Moskauer Bank sowie die Sberbank. Im Sommer 2015 kann ein Rad für einen Ausflug in die Stadt mittlerweile an einem der 150 Fahrradverleih-Stationen innerhalb der Garden Rings, entlang des Flusses Moskwa sowie im Gorki Park und weiteren Stationen ausgeliehen werden. Ziel ist es, bis zum Ende des Jahr 2015 ein Netzwerk von 300 Fahrradverleih-Stationen mit 2700 Fahrrad aufzubauen und dabei das Angebot insbesondere auch außerhalb des Zentrums auszuweiten.

Laut der Stadt Moskau haben 64.000 Personen das Angebot im Jahr 2014 genutzt und sind insgesamt 1.100.000 Kilometer – 27-mal um die Erde – geradelt. Vergleicht man diese Zahlen mit New York, wo ein ähnliches System fast gleichzeitig installiert wurde, besteht noch Entwicklungspotenzial in Moskau. In New York waren allein im März 2015 allein 87.910 jährliche Abonnenten registriert, die 312.715 Fahrten ergaben in Summe  rund 450.000 Kilometer.

So funktioniert das Ausleihen

Mithilfe einer App von www.velobike.ru werden alle vorhandenen Stationen angezeigt. Der blaue Punkt auf der Karte zeigt den Standort des Nutzers. Mit der Suchfunktion wird angezeigt, wo sich die nächste Station befindet und wie viele Fahrräder verfügbar sind. Nutzt man das Rad und will es wieder dem System zurückgeben, so muss auch ein Möglichkeit der Rückgabe vorhanden sein (siehe graues Fahrradschloss, wo 5 Stationen frei sind), sonst muss die nächste Station angefahren werden.


Radfahrer-#velobikeru

 

Um sich ein Rad auszuleihen, wird es für Personen etwas schwieriger, die nicht die russische Sprache beherrschen. Das System ist bisher leider noch nicht auf Englisch verfügbar. Ob und wann das System auch auf Englisch verfügbar ist, ist aktuell nicht bekannt.

Die Registrierung ist über www.velobike.ru direkt im Vorwege des Ausfluges, via App oder direkt an der Station möglich.

Registrierung-Radfahrer-#velobikeru

Es müssen der Vorname, der Name, die E-Mail-Adresse und Handynummer angegeben werden. Nach erfolgreicher Registrierung wird der Benutzernummer sowie das Passwort an die hinterlegte Handynummer via SMS geschickt. Eine spätere Nutzung der „Troika“ (=Moskauer Karte für den ÖPNV) statt der Login-Daten ist möglich.

Die Miete besteht aus 2 Teilen: (1) des gewählten Tarifes und (2) der genutzten Zeit. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte

Aktuell existieren 3 Tarifpläne:
„1 Tag“              = 150 Rubel,
„Monat“            = 600 Rubel,
„Season“         = 1.200 Rubel.

Der Preis für jeden Tarif beinhaltet eine unbegrenzte Anzahl von Fahrten von weniger als 30 Minuten. In der Regel sind sehr viele Stationen innerhalb dieser Zeit erreichbar und oft liegen die Stationen an Sehenswürdigkeiten. Wenn die Fahrt mehr als 30 Minuten gedauert hat, muss ein Aufschlag gezahlt werden:

30 Rubel – 31 bis 60 Minuten
90 Rubel – bis zu 2 Stunden,
400 Rubel – bis zu 3 Stunden
900 Rubel – bis zu 6 Stunden,
1.500 Rubel – bis zu 24 Stunden,
3.000 Rubel – von der 24 bis 48 Stunden,
6.000 Rubel – mehr als 48 Stunden.

Für die kurzfristigen Tarife, „1 Tag“ und „Monat“ ist die Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 1.000 Rubel notwendig, diese wird über die Kreditkarte eingezogen. Die Kaution wird nach zeitlichem Ablauf des Tarifs nach Abzug möglicher Mietgebühren (Fahrten länger als 30 Minuten) erstattet. Übersteigt die Mietgebühr die Kaution (1.000 Rubel), wird die Differenz von der Kreditkarte eingezogen.

Sollte das Fahrrad nicht innerhalb der gewählten Tarif-Zeit zurückgegeben werden, ist eine Strafe in Höhe von 3.000 Rubel pro Tag zu zahlen. Wird das Fahrrad nicht innerhalb von 48 Stunden dem System zurückgegeben, gilt es als gestohlen und es wird eine Gebühr in Höhe von 30.000 Rubel berechnet.

Das System wird immer stärker in Anspruch genommen, insbesondere im Zentrum kann es sein, dass an einer Station kein Fahrrad mehr steht. Damit das System sich weiter durchsetzt sind insbesondere weitere Radwege sowie eine erhöhte gegenseitige Rücksichtnahme alle Verkehrsteilnehmer notwendig.

Immer öfter gehört das Rad zum Fotomotiv von Moskau.

 

Quellen:
http://velobike.ru/
http://www.citibikenyc.com/assets/pdf/march_2015_citi_bike_monthly_report.pdf

 

Alexandra Kostina
Über den Autor

Alexandra Kostina ist Key Account & Sales Managerin bei RUFIL CONSULTING. Sie hat Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Banken sowie Finanzen und Sprachen an der MGIMO Universität in Moskau studiert. Die gebürtige Russin spricht fließend Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch.