Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Russische Millionäre müssen künftig für Private Banking-Dienste der Credit Suisse in die Schweiz

Der Schweizer Finanzdienstleister Credit Suisse hat einem Bericht der Russland-Ausgabe des „Forbes“ vom 11. Juli zufolge seine Privatbanking-Dienstleistungen für vermögende Kunden in Russland eingestellt. 

Die Entscheidung sei Ende Mai gefallen. Im Juni habe die Bank begonnen, seine Kunden zu informieren, schreibt Forbes unter Berufung auf eine anonyme Quelle. Die Schweizer Großbank bestätigte den Bericht. Sie schließe ihre lokale Buchungsplattform.

Die Entscheidung heißt, dass die russischen Private Banking Kunden ihre Vermögenswerte nun in die Schweiz bringen müssen, wenn sie auf die vollen Dienste der Bank zurückgreifen wollen. Man habe sich entschlossen, Onshore Booking, also Konten unter russischer Gerichtsbarkeit in Russland, nicht mehr anzubieten. Lediglich Anlageberatungsleistungen würden weiterhin in Russland erbracht, schreibt der Forbes.

Entscheidung hat mit geringer Nachfrage zu tun – viele reiche Russen haben ihr Geld bereits im Ausland

Ein Schweizer Banker, der mit Kunden in Russland arbeitete, formulierte die Begründung sehr bildlich: „Für eine globale Bank ist eine vollwertige Private Banking-Plattform in Russland wie ein Rolls-Royce, der sich im Dschungel fortbewegen muss.“ Eine Quelle bei Credit Suisse selbst sagte, die Maßnahme habe nichts mit einer Verschlechterung der Lage zu tun, sondern vielmehr mit geringer Nachfrage und Bedürfnissen der Kunden. Von denen hielten viele ihr Vermögen im Ausland. Zudem ist eine lokale Buchungsplattform mit erheblichen Kosten verbunden.

Das Unternehmen betonte: Credit Suisse werde seine Bank-Lizenz in Russland behalten und auch weiter für internationale und lokale Institutionen und Firmenkunden Onshore Dienstleistungen erbringen. Nur eben nicht mehr für die reichen Privatkunden.

Deutsche Bank und UBS habe sich schon aus Private Banking in Russland zurückgezogen

Credit Suisse wäre damit die letzte der drei großen global tätigen Banken, die sich von der Arbeit mit Millionären unter russischer Gerichtsbarkeit abwendet: die Deutsche Bank und UBS hatten dem Land in diesem Bereich den Rücken gekehrt.

Als Private Banking werden sämtliche Finanzdienstleistungen bezeichnet, die Kreditinstitute ihren vermögenden Privatkunden (High Net Worth Individuals; normalerweise ab einer Million Dollar verfügbarem Vermögen) anbieten.

Titelbild

Quelle: Flickr-Nutzer alex.ch (CC BY-NC-SA 2.0)

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.