Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Wo man in Moskau mobil arbeiten kann.

In diesem Artikel hat Ostexperte.de eine Auswahl von Orten für Co-Working in Moskau für Sie zusammengestellt.

Co-Working-Plätze bieten eine Arbeits-Infrastruktur für mobile Arbeiter, also Schreibtisch, Internet, Drucker, Scanner, Besprechungsräume, Telefonanschluss – eben alles, was man in einem Büro zum Arbeiten so braucht. Sie richten sich vor allem an Freiberufler, Kreative und kleine StartUps aber auch an ausländische Geschäftsleute oder Geschäftsreisende, die meist nicht viel mehr als ihren Laptop zum Arbeiten benötigen. Sie sollen eine Alternative zu teuren Büros bieten, dabei so stilvoll wie möglich sein und den Kontakt zu Gleichgesinnten erleichtern.

Co-Working als Alternative zu Café und Zuhause

In Moskauer Cafés arbeiten oft Menschen an ihren Computern über das WLAN. Doch die Verbindungsqualität reicht dort selten für Videokonferenzen oder andere Arbeitsprozesse aus, die eine hohe Geschwindigkeit erfordern. Zwar wird in Moskau mobiles Internet zu einem sehr günstigen Preis und mit einer hohen Geschwindigkeit angeboten, doch auch das ist meist begrenzt und daher nicht immer eine Option für die digitalen Nomaden. Auch, wenn man etwas ausdrucken oder scannen möchte, ein Kundengespräch führen oder ein vertrauliches Telefonat führen möchte, ist das Café ungeeignet.

Homeoffice ist auch nicht immer beliebt. Dort fällt einem etwa die sprichwörtliche „Decke auf den Kopf“. Außerdem ist ein Umgebungswechsel und Austausch gerade für Kreative wichtig, um auf neue Ideen zu kommen. In Moskau liegen günstigere Wohnungen zudem meist am Stadtrand. Auch sind die Wohnverhältnisse in Moskau meist enger als etwa in Deutschland – ein ruhiges Arbeiten von zu Hause aus ist daher oft gar nicht möglich.

Sign "Coworking"

Zu Hause arbeiten, ins Café oder doch lieber ins Co-Working-Büro?

Hippe Büros mit geringen Fixkosten

Als Alternative dazu entstehen in Moskau – wie auch in anderen europäischen Metropolen – vermehrt sogenannte „Co-Working Spaces“. In Berlin und London wie in Moskau sind die geringere Fixkosten im Vergleich zu einem regulären Büro ein großer Vorteil dieser Orte. Oft befinden Sie sich in hellen Räumen mit Designer-Möbeln in einer zentralen Lage – meist in stylischen ehemaligen Fabrikgeländen.

In der russischen Hauptstadt gibt es sie etwa im Gorki-Park, im „Flacon“ oder im Design-Gelände „ARTPLAY“.  Mittlerweile gibt es sogar in einem der Hochhäuser von Moscow City Co-Working Spaces mit toller Aussicht. Sie richten sich allerdings überwiegend an junge Arbeiter aus dem Kreativbereich, die damit auch ein Mode-Statement abgeben wollen.

Kontakte oder Störer?

Es sieht dann etwa so aus: Eine Frau im gestreiften Kapuzenpullover zeichnet auf einem digitalen Brett ein Logo. Ihr gegenüber sitzt ein Mann neben einem Kaffeebecher vor einem Bildschirm voller Programmcode. Ein Mann mit Bart und großen Ohrringen führt ein Kundengespräch am Handy. Geredet wird trotzdem wenig. Die meisten haben sich per Kopfhörer von Störgeräuschen abgekapselt.

Co-Working in Moskau im Artplay

So wird auf den dreieinhalb Etagen im Co-Working Space im Moskauer ARTPLAY gearbeitet.

Ein Vorteil der geteilten Arbeitsplätze ist, dass man in Gesellschaft arbeitet. Das kann zwar auch störend sein, bietet aber auch die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und die gegebenenfalls fehlenden Kollegen zu ersetzen. Auf einer Couch tauschen sich zwei Männer über Kontakte zu Produzenten aus. Die wechselnden Kollegen sorgen für neue Impulse, können aber auch mit ihren Arbeitsrhythmen, Gewohnheiten und ihrem Kommen und Gehen ablenken.

Im Vergleich zur Arbeit zu Hause sind Co-Working-Plätze natürlich deutlich teurer und der Kaffee ist eventuell schlechter als im Lieblingscafé – wobei einige der Mini-Offices auch über gute Kaffeemaschinen oder ein angegliedertes Café verfügen. Oft gibt es in den Zentren gewollte Ablenkung: Billardtische, Kicker oder Couch-Garnituren.

 

Einige Orte für Co-Working in Moskau:

DIE ANTI-CAFÉS

Café auf der Twerskaja

Das Innere des Anticafés „Zifferblatt“ auf der Twerskaja in Moskau.

Sehr beliebt bei mobilen Arbeitern sind in Moskau die sogenannten „Anti-Cafés“. Hier zahlt man nicht für ein Getränk, sondern für die Zeit des Aufenthalts. Getränke und Gebäck ist im Preis enthalten. Auch sie haben das Publikum für Co-Working in Moskau für sich entdeckt.

Der Clever Club hat es etwa explizit in sein Programm aufgenommen und zeigt auf seiner Website spezielle Angebote. Zwei Rubel zahlt man hier pro Minute in den ersten drei Stunden, danach nur noch einen Rubel. Es gibt auch Abonnements.

Das bekannte „Café Zifferblatt“, das Filialen an den Moskauer Standorten Pokrovka und Twerskaja hat, erwähnt die mobilen Arbeiter auf seiner Website ebenfalls. Auf der englischsprachigen Website steht: „…es [das Café] ist nicht nur ein Co-Working-Ort, obwohl hier viele herkommen, um ihre Arbeit zu erledigen…“.

Das Anti-Café „Good Republic“ in der Nähe der Metrostation Tschistyje Prudy hat ebenfalls ein Angebot für Co-Worker. Hier zahlt man für Co-Working pro Tag 500 Rubel und 4500 Rubel im Monat.

DAS EXKLUSIVE

DI Telegraph ist der wohl exklusivste Ort für Co-Worker und befindet sich gleich im Zentrum Moskaus auf der Twerskaja. Bei der Anmeldung ist allerdings eine möglichst detaillierte Projektbeschreibung erforderlich. Die Zulassungsbedingungen für Unternehmen und Projekte, die dort arbeiten sind nämlich streng. „Wir glauben, dass Qualität Qualität anzieht“, heißt es auf der englischsprachigen Website. Es ist 24 Stunden geöffnet. Je nach Option (fester Arbeitsplatz, Zeit im Besprechungsraum etc.) zahlt man bis zu 19.300 Rubel im Monat.

Moscow City Coworking

Moscow City: Co-Working mit Aussicht auf die Stadt.

DIE AUSSICHT

Auch in den Türmen von Moscow City kann man mobil arbeiten. „SM Moscow City Business Coworking“ nennt es sich. Ab 1000 Rubel am Tag oder für 10.000, 15.000 oder sogar 20.000 Rubel im Monat (je nach Ausstattung) können dort die Tasten beansprucht werden. Wenn man doch einmal vom Bildschirm aufblickt, kann man den Blick über Moskau genießen. Die Büros haben rund um die Uhr geöffnet.

DIE FABRIK

In der Flacon Designfabrik besteht das Arbeitsumfeld für die 72 Arbeitsplätze aus Backsteinen. Ein Monat kostet hier 11.000 Rubel. Das Flacon ist ein ehemaliges Fabrikgelände, das nun die Kreativen Moskaus für sich entdeckt haben. Wie im ARTPLAY profitiert hier das Co-Working von den Annehmlichkeiten der Designer-Umgebung: Cafés, Bars, Galerien, Restaurants und gleichgesinnten Menschen.

 

FÜR HIPSTER

Das Zentrum ARTPLAY in Moskau

Das Designzentrum ARTPLAY im Osten Moskaus.

Beim Co-Working in Moskau im Design-Zentrum „ARTPLAY“ im Osten der Stadt bei der Metrostation Kurskaja sitzen auf dreieinhalb Etagen die Bildschirmarbeiter an Tischen, die wie Spanplatten aussehen. Die Räume sind hell und hoch, auf Design wird hier viel Wert gelegt. Helles Holz und Glas mischt sich mit dem Schwarz der Stühle und Computer und dem grau der Kabel. Wahlweise kann man auch auf einem Sofa arbeiten. Auch am Anfang des ebenfalls beliebten Gorki Parks beim Leninskij Prospekt bietet Coworkstation.ru stilvolle Plätze für die Bildschirmarbeiter an. Hier gibt es einen Tarif, der für „Hipster“ ausgeschrieben ist.

Um hier einen Tag zu arbeiten, zahlt man 650 Rubel, für eine Woche 4.000 und für den Monat 13.000 Rubel. Das ist die Option „Hipster“. „Freelancer“ zahlen 15.000 Rubel im Monat, „StartUps“ 18.000 Rubel. Dafür dürfen sie sich unter anderem Plätze reservieren und kostenlos die Konferenzräume für einige Stunden in der Woche buchen.

Es gebe hier rund 140 Arbeitsplätze, erklärt die Frau an der Rezeption. Meist sind sie aber belegt. „An Wochentagen sind nur etwa 10 bis 20 Plätze frei. Die übrigen sind von Freelancern oder Unternehmen belegt“, sagt sie.

FÜR GESCHÄFTSLEUTE AUS DEM AUSLAND

GCC

Im German Competence Center kann man die Sprachbarrieren beim Co-Working überwinden.

Für Bürosuchende aus dem Ausland spielt in Russland bei der Wahl des mobilen Büros auch die Sprache eine Rolle. Spricht man kein Russisch, wird die Kommunikation mit Kollegen und die Anmeldung schwierig. Nur weniger der Dienste haben englischsprachige Websites und Mitarbeiter.

Für diejenigen, die in Moskau in einem deutschsprachigen Umfeld arbeiten wollen, gibt es allerdings Einrichtungen, die sich explizit an internationale Kunden richten: das German Competence Center zum Beispiel. Die ansässigen Personen und Firmen sind großteils deutschsprachig. Sprachbarrieren gibt es hier also keine – dafür all-inclusive Service von Kaffeeversorgung, Kopien bis hin zum Abholen der Post von der Postfiliale, damit sie auch wirklich ankommt. Auch ein deutschsprachiges Sekretariat gehört zum Service des Büro. Es liegt zentral am Ufer der Moskwa bei der Metrostation Paveletskaja. Das Co-Working dort fällt ein wenig aus der Reihe. Es richtet sich nicht an Hipster, sondern an ein ruhigeres, professionelles Umfeld (Alter: 30+).

DAS LIEBLINGSCAFÉ

Zum Abschluss sollen an dieser Stelle noch einmal die (normalen) Cafés erwähnt werden. Für viele sind sie nach wie vor ein guter Ort, um zu arbeiten. Der Kaffee oder Tee schmeckt hier meist am besten, die Bedienung ist vertraut und mit etwas Glück ist die Geschwindigkeit des WLANs auch in Ordnung. Mit zwei Getränken bleibt man meist auch unter dem Preis der meisten Co-Working-Angebote. Hippe Orte kann man auch hier frei wählen. Nur auf Drucker, Scanner, Besprechungsräume und die arbeitenden Gleichgesinnten muss hier verzichtet werden.

 

Wo arbeiten Sie am liebsten in Moskau? Haben Sie bereits Co-Working in Moskau ausprobiert oder stehen Sie zum Café ihrer Wahl, wo der Kaffee oder Tee am besten schmeckt? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar unten oder auf unserer Facebook– oder Twitter-Seite. Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen.

Fotoquelle

Quelle: Titelbild: Simon Schütt
Bilder ARTPLAY: Simon Schütt (3)
Anti-Café: ziferblat.net
SM Moscow City Business Coworking: 3d.moscowcity.cc
German Competence Center: gcc-moscow.com

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.