Patrick VolknantVon

Seidenstraße: Chinas Vision vom weltweiten Stromnetz

Das chinesische Unternehmen State Grid Corporation of China (SGCC) hat sich die Entwicklung eines interkontinentalen Stromnetzes zum Ziel gemacht. Hierfür kauft sich der Konzern weltweit in lokale Netze ein. Dies berichtet Spiegel Online.

Es ist ein großes Ziel, das sich hinter den Ambitionen des chinesischen Staatskonzerns SGCC verbirgt. Bis 2050 will das Unternehmen ein globales Stromnetz verwirklicht haben, das Länder rund um den Globus und über Kontinente hinweg miteinander verbindet. Geplant sind dabei drei Schritte: Bis 2020 sollen die regionalen Netze, bis 2030 die erneuerbaren Energien und bis 2050 schließlich die interkontinentalen Verbindungen ausgebaut werden.

Weltweit bereits 123 Milliarden Dollar investiert

SGCC-Chef Zhenya Liu zeichnet die Zukunft einer modernen und umweltfreundlichen Stromversorgung, in der riesige Windparks am Nordpol in direkter Verbindung zu Solarfeldern am Äquator stehen. Gestützt in seinem Vorhaben wird Liu von Chinas Präsident Xi Jingping, der schon im September 2015 vor den Vereinten Nationen für ein globales Energienetz geworben hatte. Sowohl Zhenya als auch Xi distanzieren sich dabei von egoistischen Motiven: Während Xi von Wohlstandsverteilung und gar einem Beitrag zum Weltfrieden spricht, versichert Zhenya, dass ihn der Besitz ein weltweites Stromnetz gar nicht interessiere.

Ab 2013 haben sich die State Grid Corporation sowie andere chinesische Firmen mit rund 123 Milliarden Dollar in Stromnetze weltweit eingekauft, so das Washingtoner Beratungsunternehmen RWR Advisory. Ihm zufolge seien 102 Milliarden Dollar in den Bau oder in Übernahmen auf regionaler Ebene geflossen. Die übrigen 21 Milliarden habe man für Darlehen aufgewendet. Dabei sei SGCC unter anderem in Chile, Brasilien, Russland, Portugal, Nigeria, Südafrika, Pakistan, Australien und auf den Philippinen aktiv geworden.

Stromnetz als Ergänzung zur Neuen Seidenstraße

Auch in Deutschland strebte SGCC eine Beteiligung an und versuchte, 20 Prozent der Berliner Firma 50Hertz zu übernehmen. Nachdem sich in der Bundesregierung Widerstand regte, wurde der Anteil jedoch dem belgischen Konzern Elia überlassen. Denn trotz der blumigen Worte Xis oder Zhenyas gibt es viele Kritiker an dem Projekt. Die skeptischen Stimmen erkennen vor allem die Absicht Chinas, den Bau seiner Neuen Seidenstraße durch das weltweite Netz zu ergänzen und so die eigene Machtposition zu stärken.

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Quelle: humphery / Shutterstock.com

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.