Patrick VolknantVon

China will USA mit Importen beschwichtigen

Nach der Androhung von US-Strafzöllen stehen Peking und Washington kurz vor einem Handelskrieg. Nun scheint China jedoch Zugeständnisse zu machen. Das Land will US-Produkte im Wert von rund 70 Milliarden Dollar importieren, berichtet New York Times.

Der letztwöchige China-Besuch des US-Wirtschaftsministers Wilbur Ross scheint Früchte zu tragen: Laut Insidern erklärt sich Peking bereit, US-Waren im Wert von fast 70 Millarden Dollar zu importieren. Es handele sich dabei vor allem um landwirtschaftliche Produkte, Industriegüter sowie Rohöl, Kohle und Erdgas. Bei Umsetzung des Angebots würde China das Volumen seiner US-Importe um 53,8 Prozent im Vergleich zu 2017 nach oben schrauben und teilweise auf die zuletzt von US-Präsident Trump gestellten Forderungen eingehen. Dieser hatte von Peking verlangt, seinen Handelsbilanzüberschuss mit den USA von 375,2 Milliarden Dollar jährlich um 200 Milliarden Dollar zu reduzieren.

Washington konzentriert sich weiter auf „gute Deals“

Chinas Offerte lässt die Hoffnungen auf eine Verhinderung des sich in den letzten Wochen abzeichnenden Handelskriegs mit den USA hoffen. Ob das Entgegenkommen Pekings der US-Regierung ausreichen wird, bleibt abzuwarten. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, erklärte lediglich, dass man sich nach wie vor „innerhalb des Verhandlungsprozesses“ befinde. „Unser Fokus liegt darauf, sicherzustellen, dass wir gute Deals bekommen“, so Sanders. Das Weiße Haus hatte ursprünglich angekündigt, bis zum 15. Juni eine Liste chinesischer Waren zu veröffentlichen, die mit Strafzöllen in der Höhe von 25 Prozent belegt würden. Restriktionen für chinesische Investitionen in die USA sollten bis zum 30 Juni festgelegt werden.

Für seine Vorgehensweise in den Verhandlungen wurde Trump unter anderem von Siemens-Chef Joe Kaeser scharf kritisiert: „Die richtige Antwort auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist Innovation und Produktivität und keine Zölle und Tweets.“ Leider befinde man sich gerade in einer Zeit, in der langjährige Vereinbarungen aufgekündigt würden, so der Manager. Zum Zeitpunkt seiner Aussage befand sich Kaeser auf einem Siemens-Forum zu Chinas großem Infrastrukturprojekt, der „Neuen Seidenstraße“. Mit ihm will Peking neue Handelswege nach Europa und Afrika errichten.

Handelskrieg zwischen EU und USA nimmt Fahrt auf

Kaeser sieht in dem Vorhaben nichts weniger als das Potenzial für eine neue Welthandelsordnung. Die überwiegende Mehrheit der europäischen Staaten hingegen äußerten zuletzt starke Vorbehalte gegenüber der „Neuen Seidenstraße“. Diese laufe „der EU-Agenda für die Liberalisierung des Handels entgegen“ und verschiebe „das Kräfteverhältnis zugunsten subventionierter chinesischer Unternehmen“. Was die Beziehungen zu den USA betrifft, kündigte die EU gestern an, ab Juli Gegenzölle auf US-Produkte zu verhängen. Hier scheint sich der Handelskrieg wohl kaum noch abwenden zu lassen.

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Titelbild: Avigator Thailand / Shutterstock.com

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.