Brief zum Wochenende

Liebe deutsche Unternehmen (im Russlandgeschäft),

Ihr habt eine harte Durststrecke hinter Euch. Um 17 Milliarden sind die Exporte nach Russland eingebrochen – fast um die Hälfte. Das sind 60.000 Arbeitsplätze. Das muss man erst mal verdauen. Und geholfen hat Euch keiner dabei. Jedenfalls nicht die Politik.

Jetzt seht Ihr wieder Licht am Ende des langen Tunnels. Seit einigen Monaten geht es aufwärts. In diesem Jahr kommt vielleicht sogar ein Plus von 5 Prozent und mehr.

Was haben sie Euch im Regen stehen lassen, Eure Verbandsoberen vor drei Jahren. Eingeknickt vor dem „Primat der Politik“, vor dem Bundeskanzleramt. Der Anteil des Russlandgeschäfts sei doch lächerlich gering, hieß es dort nur. Dabei ging bei vielen Mittelständlern die halbe Jahresproduktion in den Osten. Manchmal mehr. Haben die noch eine Ahnung von ihrem Land?

Gerade in Moskau – von Deutschen dort – begleiten viele gute Wünsche den neuen Bundespräsidenten, der am Sonntag sein Amt antritt. Der alte war sich ja zu fein, seinem Kollegen Putin in fünf Jahren auch nur einmal die Hand zu geben. Um so größer der Dank an Euch Unternehmen. Ihr wart in all den Jahren das deutsche Gesicht. Tischtücher zerschneiden ist leicht. Einen Tisch bauen, an dem man sitzen kann, da zeigt sich der Meister.

Auf beiden Seiten muss der Blutdruck runter. Viele Deutsche in Moskau leiden inzwischen unter der russischen Propaganda, der aufgeladenen, anti-westlichen Mobilisierung. Viele Russen auch. Es nervt einfach. Lange so weiter geht es nicht.

Arbeiten wir daran, dass die Lage sich ändert. Auch damit Ihr Euch von den 17 Milliarden ein paar zurückholen könnt. Noch ist es nicht zu spät.

Ein erholsames Wochenende wünscht

Thomas Fasbender