Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Oliver Eller, der deutsche Direktor des Baltschug Kempinski, im Interview.

Als es in den deutsch-russischen Beziehungen zu knirschen begann, ist Oliver Eller (49) als Hoteldirektor von Berlin nach Moskau gewechselt, vom Adlon ins Baltschug, beide betrieben von Europas ältester Luxushotelgruppe Kempinski Hotels. Im Interview spricht der Deutsche darüber, was Luxus für ihn bedeutet, über die Krise, Kamtschatka, seinen Lieblings-Italiener und Betthupferl.

Das Interview führte Tino Künzel für „Business in Russland„.


Direktor des Baltschug Kempinski Moskau. © Baltschug Kempinski Moskau

Oliver Eller, der Direktor des Baltschug Kempinski Moskau.

Herr Eller, wie viele Taschentücher brauchen Sie, um die Tränen zu trocken, wenn Sie in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten in die Bilanzen schauen?

Danke der Nachfrage, es geht mir gut. Unser finanzielles Ergebnis wird in diesem Jahr [2015] um Längen besser ausfallen als 2014.

Also stimmt es nicht, dass der Markt sich verändert hat?

Doch, sehr stark sogar. Aber Veränderung heißt ja nicht Stillstand und schon gar nicht Rückschritt. Ich glaube nach wie vor, dass jeder Euro, den Sie hier investieren, ein gut investierter Euro ist, zumindest im Vergleich zu ganz vielen Regionen in der Welt. Russland ist nicht der einfachste Standort, aber hochgradig spannend.

Merken Sie an Ihren Gästen, dass andere Zeiten angebrochen sind?

Die Geschäftsleute aus Deutschland, aus Westeuropa überhaupt, haben heute eine kürzere Aufenthaltsdauer. Früher sind die nach getaner Arbeit noch geblieben, haben ein bisschen Party gemacht. Wenn auf dem Markt alles fantastisch läuft, dann hängt man mal das Wochenende dran, geht mit seiner Frau ins Theater. Ich nehme an, dass vielen deutschen Investoren im Moment einfach nicht danach ist, sich am Samstag ins Bolschoi zu setzen. Die haben andere Sorgen.

Aber zumindest übernachten sie noch bei Ihnen.

Gerade die deutschen Unternehmer, die in Russland aktiv sind, die kommen auch weiterhin, sie haben ja Investments hier. Das sind sehr treue und gute Gäste. Nur veranstalten sie bei uns weniger Pressekonferenzen, Marketingevents, Jahresfeiern – das ist alles ruhiger geworden. Aber den deutschen und westeuropäischen Kundenmarkt würde ich insgesamt als stabil bezeichnen, während der amerikanische schwach vertreten ist.

Wo wir einen klaren Zuwachs sehen, ist China. Deutlich zugenommen hat die Kundschaft aus den BRIC-Staaten, insbesondere aus Brasilien. Das sind nicht unbedingt riesige Volumen, aber große Umsätze. Wenn Brasilianer eine Russland-Tour machen, dann nicht in vier Tagen. Die kommen für zwei Wochen. Meistens kaufen sie auch die Top-Produkte: große, teure Suiten. Die setzen sehr viel Geld um.

Kremlin Suite

Die „Kremlin Suite“ mit Blick auf den Moskauer Kreml. © Baltschug Kempinski Moskau

Wenn ich eine Nationalitätenstatistik aus den Umsätzen erstelle und nicht aus den Übernachtungszahlen, dann liegen die BRIC-Staaten weit vorn. Aber der größte Zuwachs ist wahrscheinlich aus Russland selbst zu verzeichnen. Die Verluste durch die politische Situation werden dadurch mehr als kompensiert.

Was sind das denn für Russen, die neuerdings das Baltschug Kempinski buchen?

Menschen aus den Regionen, oft weit entfernten, die sich ein tolles Wochenende in Moskau machen möchten. Das wird dann sicher in der Regel mit geschäftlichen Aktivitäten verbunden. Damit haben sich auch bei unserer Auslastung die Akzente stark verschoben. Als Luxushotel in der Stadt ist man Geschäftshotel und, pauschal gesprochen, von Montag bis Freitag voll, Samstag und Sonntag sind problematisch. Das Baltschug ist heute von Freitag bis Sonntag voll und von Montag bis Freitag mindestens so voll wie früher. Weil Russland so aktiv geworden ist.

Aber warum ausgerechnet jetzt, in der Krise?

Für mich wäre eine Erklärung, dass Moskau zweifellos sehr viel billiger geworden ist.

Für Russen?

Ja, die Preise sind spürbar gesunken, auch in Rubel.

Moment! Reden wir über das Moskau, in dem dieses Gespräch statt findet? Hier sind doch die Preise im Gegenteil gestiegen.

Für den Durchschnittsverdiener. Bei Lebensmitteln, Mieten. In dieser Hinsicht ist das Leben teurer geworden. Aber nicht im gehobenen Segment. Den Geschäftsmann, der vier Leute zum Essen einlädt, kostet das heute viel weniger als noch vor ein, zwei Jahren. Dasselbe gilt für Hotelübernachtungen, für Bekleidung, für Autos. Unabhängig vom Rubelkurs. Das ist ja auch nachzuvollziehen: In einer Krisenstimmung verkauft sich Luxus nicht mehr ganz so leicht, also musste der Markt reagieren. Und das ist passiert.

Wenn das so ist, dann müsste das doch auch Reisende aus dem Westen anlocken, die darüber hinaus vom Wechselkurs profitieren.

Business in Russland

Der Artikel ist ursprünglich in „Business in Russland“ (Ausgabe 2/2015) erschienen. Das deutsch-russische Wirtschafts-Sonderheft der Moskauer Deutschen Zeitung erscheint zwei Mal im Jahr. Klicken Sie auf das Bild, um das aktuelle Heft als PDF aufzurufen. Hier erfahren Sie  Näheres über das Heft.

Das ist überhaupt mein Lieblingsthema. Warum brummt diese Stadt gerade nicht touristisch? Sie war noch nie günstiger. Noch nie! Warum laufen uns die Touristen also nicht die Türen ein? Eine berechtigte Frage, die ich auch beantworten kann. Ich bin ja selbst groß geworden mit den Bildern von der Sowjetunion im Kopf, geprägt vom Kalten Krieg. Heute bin ich hier und weiß, wie es wirklich ist. Aber wenn ich in Deutschland säße und ein romantisches Wochenende mit meiner Frau im Ausland verbringen wollte, dann fände ich wahrscheinlich 1000 Gründe, lieber nach Nizza oder London zu fliegen und nicht nach Moskau. Sehr schade!

Was diese Stadt kulturell zu bieten hat: Wahnsinn. Plus die tollen Hotels, die tollen Restaurants, das Nachtleben. Und das alles nur ein paar Flugstunden entfernt. Die Menschen sind verrückt, wenn sie jetzt nicht kommen. In ein paar Jahren werden sie wieder ganz andere Preise dafür zahlen müssen.

Sie waren bereits von 2005 bis 2010 in Moskau, haben das Ritz-Carlton an der Twerskaja Uliza eröffnet und geleitet. Danach sind Sie als Hoteldirektor ins berühmte Adlon Kempinski nach Berlin gewechselt und nun seit Sommer 2014 wieder hier. Lassen Sie uns raten: Das haben Sie Ihrer Frau zuliebe gemacht, die Russin ist.

Die hat nicht Hurra geschrien, wenn ich ehrlich bin. Ihr gefällt Deutschland gut, und sie hat in den vier Jahren Adlon fließend Deutsch gelernt. Nach Moskau zurückzukehren, wo sie studiert hat und wo wir uns kennengelernt haben, war ihr kein dringendes Bedürfnis. Aber sie ist natürlich gern mitgekommen. Zumal wir so näher an ihrer Familie sind, die in Pensa lebt. Wenn man sich hier ins Auto setzt, ist man nach sechs, sieben Stunden da.

Sie bezeichnen das Baltschug als bestes Hotel der Stadt. Worin unterscheidet es sich von all der Fünf-Sterne-Konkurrenz in Moskau?

Schauen Sie mal aus dem Fenster! Dieser Blick auf den Kreml, den Roten Platz, auf die Moskwa – es geht nicht besser. Sogar der Moskauer hat ein inniges Verhältnis zu diesem Haus. Setzen Sie sich mal irgendwo in ein Taxi und sagen dem Fahrer: „Zum Baltschug“. Der bringt Sie hier hin. Nennen Sie ein anderes Fünf-Sterne-Hotel in der Stadt – und ich bin mir nicht so sicher, dass Sie dort ankommen. Das ist natürlich ein Pfund, mit dem man wuchern kann.

Wrong coordinates

 

Der andere große Punkt ist Service. Der gehört dazu, wenn man in einem Luxushotel absteigt.
Trotzdem meine ich, dass es uns die Konkurrenz in der Beziehung verhältnismäßig leicht macht. Besten Dank an der Stelle!

Was verkaufen wir als Baltschug? Doch nicht Essen, Trinken, Schlafen! Das wäre eine stinklangweilige Nummer. Ein Bett – akkurat und sauber – kriegen Sie in Moskau auch für weniger Geld. Und wenn ich 500 Euro die Nacht zahle, dann erwarte ich, dass ich ein großes Zimmer habe, mit Fernseher, Minibar und Badezimmer. Das reißt doch niemanden vom Hocker.

Aber auch in unserer Industrie glauben viele immer noch, dass das Produkt den Unterschied macht. Ich glaube das nicht. Natürlich muss auch das Produkt auf der Höhe sein. Aber es ist etwas anderes, was unsere Kunden suchen. Emotionalität. Menschlichkeit. Das Gefühl, etwas Besonderes zu erleben. Ob Sie nun nur einen Tee bei uns trinken oder eine Suite für drei Tage buchen. Wenn Sie hier aus der Tür gehen, dann hatten Sie ein deutlich anderes Erlebnis als bei den Mitbewerbern in der Stadt. Und das ist es, was Luxus ist.

Baltschug Kempinski Moskau

Die Lobby des Baltschug Kempinski Moskau. © Baltschug Kempinski Moskau

Geben Sie uns ein Beispiel, was Sie meinen, wenn Sie von Erlebnissen sprechen?

Ich geben Ihnen ein Beispiel, aber eines, das Sie überraschen wird. Nicht aus der Hotellerie. Vielleicht haben auch Sie einen Lieblings-Italiener, viele Deutsche haben ja einen. Ich rede nicht von Luxus. Ein Lokal, wo man gern hingeht und eine Pizza isst.

Mein Lieblings-Italiener ist in Berlin-Wilmersdorf an einer Straßenecke. Als wir vor zwei Jahren in die Gegend gezogen sind, wollte ich mal ausprobieren, wie es dort schmeckt. Um es vorweg zu nehmen: Das Essen ist durchschnittlich, das Restaurant liegt im Keller. Ich bin da also die Treppe hinuntergestiegen, der Saal war leer, sah auch nicht sonderlich ansprechend aus.

Aber da stand dieser ältere Herr mit einer weißen Schürze im Raum, typisch Italiener, und begrüßte mich mit „Dottore“. Er gab mir den „besten“ Tisch im Hause, auch wenn der sich nicht von den anderen unterschieden hat. Und es waren ja alle frei. „Hier, nehmen Sie bitte Platz.“

Dann bekam ich die Karte, er hat sie mich aber gar nicht lesen lassen. „Du musst Dorade essen.“ Die habe er heute frisch auf dem Markt gekauft, seine Frau bereitet sie zu, ein Hausrezept. Schon habe ich Dorade bestellt. Dann kam er mit einer offenen Flasche Wein.

Der hat mir gar keine Wahl gelassen, sondern mich so weggeblasen mit seiner Persönlichkeit, dass ich auf den gehört habe. Als er die Rechnung gebracht hat, kriegte ich natürlich noch ein Schnäpschen aufs Haus. Ich habe bezahlt, er hat mich noch zur Tür begleitet: „Dottore, bis zum nächsten Mal, hier ist meine Karte, du kannst mich immer anrufen, wir liefern auch nach Hause.“

Mein Lieblings-Italiener in Berlin! Weil der verstanden hat, worum es geht. Suche ich ein kulinarisches Highlight italienischer Art, gehe ich nicht zum Italiener um die Ecke. Suche ich eine Beziehung, will ich „Doktor“ sein, dann gehe ich zu ihm.

Und so ist es auch mit der Bäckerei, wenn ich das noch erzählen darf.

Gern.

Meine Mutter lebt in Bielefeld. Wenn wir alle zu Hause sind, bin ich derjenige, der die Brötchen holt, weil ich der jüngste Sohn bin. Dann geht also der Papa mit Lisa, meiner Tochter aus erster Ehe, zur Bäckerei. Ein typischer deutscher Bäcker, wo hinten der Mann am Backen ist und vorn die Frau in der Backstube steht.

Man kennt mich von früher, nicht weil ich Stammkunde bin. Ich bin ja selten dort, ein paar Mal im Jahr. Aber kaum habe ich den Laden betreten und stehe in der Schlange, guckt mich die Bäckersfrau an: „Der Oliver ist da.“ Wenn ich dran bin und meine Bestellung aufgeben, fragt sie jedes Mal: „Wie ist es denn in Berlin, wie ist es in Moskau?“Zwei Sätze Persönliches. Das macht mich süchtig nach dieser Bäckerei. Ich würde nie darüber nachdenken, meine Brötchen woanders zu holen.

Und weil es mein Job ist, mache ich mir über solche Sachen vom Italiener bis zum Bäcker viele Gedanken. Genau das übersetzen wir im Baltschug in unseren Service.

Wie muss man sich das vorstellen?

Aljonka

Die berühmte russische Schokolade „Aljonka“.

Viele Kleinigkeiten, bis hin zum Betthupferl. Meine Mutter, 76 Jahre alt, hat mich mal im Adlon besucht und dem stolzen Hoteldirektor die Leviten gelesen über das Betthupferl. Man glaubt gar nicht, wie die Leute auf so etwas achten. Im Baltschug haben wir „Aljonka“-Konfekt als Betthupferl.

Oder: Wenn Sie zum Beispiel im Adlon gewohnt haben und immer auf der rechten Seite des Bettes schlafen, dann ist bei Ihrer nächsten Übernachtung im Baltschug wie durch ein Wunder die rechte Seite des Bettes aufklappt und dort stehen Ihre Pantoffeln.

Wir merken uns solche Sachen. Da stecken natürlich bestimmte Techniken dahinter. Das sind sogenannte Präferenzen von Kunden, die wir nachvollziehen und auch dokumentieren. Das heißt es, Wünsche zu erfüllen, bevor sie überhaupt geäußert wurden.

Oder: Unsere Concierges können natürlich nicht zaubern, sind aber kurz davor. Wenn Sie gern eine Karte fürs Bolschoi-Teater hätten, für die eigentlich ausverkaufte Vorstellung am selben Abend – die besorgen Ihnen eine.

Was macht aus dem Baltschug ein russisches Hotel, außer dem Namen und der Lage?

Schön, dass Sie das fragen, denn uns ist es ein großes Anliegen, authentisch russisch zu sein. Das Wichtigste dabei ist das Personal. Wir sind kein ausländischer Hotelkonzern, der hier reihenweise Ausländer beschäftigt und sich eine russische Fahne ins Hotel hängt. Bei uns sind Sie von russischen Mitarbeiten umgeben.

Unsere Speisekarten: Ja, wir haben auch internationale Klassiker im Angebot, aber mit der Betonung auf „auch“. Ansonsten haben wir russische Küche. Unsere Chefs arbeiten da auch sehr akribisch daran. Unsere Pelmeni schmecken wie die Pelmeni von meiner Schwiegermutter.

All diese Dinge zusammen genommen werden Ihnen das Gefühl geben, in einem russischen Hotel in der russischen Hauptstadt zu sein.

Die wechselvolle Geschichte des Gebäudes

Ein zweistöckiges Mietshaus wurde 1898 nach Entwürfen des St. Petersburger Architekten Alexander Iwanow, der bis dahin unter anderem am berühmten Newskij-Prospekt gearbeitet hatte, zu einem repräsentativen Gebäude um- und ausgebaut. Im Parterre befand sich ein Restaurant, die oberen Etagen wurde an Maler vergeben, die sich dort Studios einrichteten. Nach der Revolution von 1917 zogen diverse staatliche und gesellschaftliche Organisationen in den Bau ein.

1928 wurde es zum Hotel Nowomoskowskaja, das dazu auserkoren war, Ausländern die schönen Seiten des Lebens in der Sowjetunion zu demonstrieren. Aber schon 1939 brachen wieder neue Zeiten an: Fortan diente das Gebäude dem Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten als Wohnheim. Ab 1957 war es erneut Hotel, diesmal unter dem Namen Bukarest. In den letzten Sowjetjahren zunehmend sanierungsbedürftig, wurde das Haus ab 1989 von einer österreichischen Firma unter Erhalt der historischen Fassade komplett rekonstruiert.

Am 1. Oktober 1992 nahm dann das Baltschug Kempinski Moskau seinen Betrieb auf, als erstes internationales Fünf-Sterne-Hotel in Russland.

Was verbindet Sie selbst mit Russland?

Sehr viel. Die Familie, die russischen Freunde, die mich Oleg nennen, nicht Oliver. Einmal im Jahr fahren wir als Männertruppe zum Angeln. Fünf Tage, zehn Leute, zur Hälfte Deutsche und Russen. Alle aus der Wirtschaft. Wir Angeln auch mal, schon weil wir die Fotos für unsere Frauen brauchen. Aber die Hauptsache ist natürlich, etwas gemeinsam zu unternehmen und das Land besser kennenzulernen. Waren Sie mal auf Kamtschatka?

Bisher nicht.

Machen Sie das unbedingt! Das beste Erlebnis meines Lebens. Ich bin beruflich ständig unterwegs, aber so etwas habe noch nie gesehen. Eine solche Unberührtheit, fantastisch.

Wissen Sie, ganz am Anfang, als ich in Moskau angekommen bin, war ich eingeladen bei einem Event in einer ausländischen Botschaft. Und wie ich da so stehe mit einem Mitarbeiter und wir unseren Cocktail trinken, da fragt er: Seit wann sind Sie denn hier und wo waren Sie schon? Das habe ich ihm beantwortet und ihn das Gleiche gefragt.

Und da sagt der doch: Ich bin seit zwei Jahren in Moskau, aber mehr als die Botschaft habe ich eigentlich noch nicht gesehen. Das werde ich nie vergessen. So etwas verstehe ich überhaupt nicht. Der Mann ist übrigens auch im falschen Job. Was macht man denn im Ausland, wenn man das Botschaftsgelände nicht verlässt?

Wo wohnen Sie als Hoteldirektor eigentlich selbst?

Ich kann den Ort gar nicht aussprechen. Außerhalb der Stadt, eine Stunde Fahrzeit von hier. Das war eine bewusste Entscheidung. Es gab eine Wohnung im Hotel, aber wir haben einen kleinen Sohn, mit dem will ich Fußball spielen können, wenn er alt genug dafür ist. Diesen Sommer sind wir schon mal über den Rasen gerannt.

Ein ruhiger Ort, sehr gepflegt, schöne Familienwohngegend. Spielplätze, großer Garten, Wald, tolle Luft. Ich habe viele Jahre in Hotels gewohnt in meiner Karriere, es wird mir jetzt klar, wie viel Mehrwert dieses Stück Abstand hat.

Nach einer Stunde im Auto hat man abgeschaltet, dann ist die Birne leer und ich kann mich auf meine Familie freuen. Ich würde das immer wieder machen und kann es jedem nur empfehlen.


Das Interview führte Tino Künzel.

 

Das Baltschug Kempinski Moskau im Steckbrief

Baujahr: 1898

Hoteleröffnung: 1992

Zimmer: 227 auf acht Stockwerken, davon 36 Suiten. Die Zimmer sind 35 bis 130 Quadratmeter groß. Das luxuriöseste ist die Red Square Suite mit Panoramablick auf den Kreml und den Roten Platz.

Preise: Reichen je nach Buchungszeitraum von 12.000 bis 150.000 Rubel pro Nacht (Mehrwertsteuer und Frühstück nicht inbegriffen).

Auslastung: Ist nach Hotelangaben in diesem Jahr um 30 Prozent gegenüber 2014 gestiegen. Sie lag demnach zwischen 50 in der Neben- und 87 Prozent in der Hauptsaison. Kurzfristige Anfragen für Übernachtungen an Arbeitstagen oder im Sommer für die Wochenenden könnten sich als problematisch erweisen, deshalb solle lieber rechtzeitig gebucht werden.

Ausstattung: Das Hotel verfügt über zwölf Veranstaltungsräume, das Restaurant Baltschug Grill, das Café Kranzler, die Lobby Lounge Bar, einen Beauty Salon und einen Spa-Bereich mit Schwimmbad, Sauna, Fitnessstudio.

Lage: Das Baltschug Kempinski liegt auf einer Insel, die von der Moskwa und einem im 18. Jahrhundert angelegten künstlichen Seitenarm, dem sogenannten Wasserumleitungskanal, gebildet wird. Eine Treppe führt auf die Große Moskau-Brücke, über die man zum Roten Platz gelangt.

Adresse: Baltschug-Straße 1.

Online: www.kempinski.com/moscow

Quellen:

Interview:
Der Artikel ist zuerst in dem Magazin „Business in Russland“ (Ausgabe 2/2015) erschienen. Das Interview führte Tino Künzel, Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung.

Fotoquelle

Quelle:

Titelbild und andere Hotelbilder: Hotel Baltschug Kempinski Moscow

Aljonka-Schokolade: Flickr-Nutzer upyernoz, CC BY 2.0

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