Wo der Handel zwischen Russland und USA floriert

Handel zwischen Russland und USA nicht eingeschlafen

Ukraine-Krise, Syrien-Krieg und Spionage-Vorwürfe. Diese Stichworte sollten ausreichen, um das Verhältnis zwischen den USA und Russland auf den Punkt zu bringen. Doch obwohl der bilaterale Handel wegen der Sanktionspolitik eingebrochen ist, haben findige US-Unternehmer dafür gesorgt, mit einem Fuß auf dem russischen Markt zu bleiben.

Es ist kein Geheimnis, dass Europa mehr unter den Wirtschaftssanktionen leidet als die USA. Das Volumen des europäisch-russischen Außenhandels ist von 336 Milliarden Euro (2012) auf 191 Milliarden Euro (2016) zurückgegangen. Der bilaterale Handel zwischen USA und Russland war schon von Grund auf niedriger – er reduzierte sich nach US-Statistik von 40 Milliarden US-Dollar (2012) auf 20,3 Milliarden US-Dollar (2016).

Die USA haben Wirtschaftssanktionen gegen Russland dort verhängt, wo sie selbst am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen werden. Das glaubt zumindest Alexander Schatilow, Politologe an der Wirtschaftsuniversität der russischen Regierung. Seiner Meinung nach seien die USA mit ihrer Sanktionsführung „sehr schlau aufgetreten“. Dies erklärte der Wissenschaftler gegenüber der Tageszeitung WELT.

US-Investitionen in Russland

Doch die Lage ist weniger dramatisch für die USA, als politische Anspannungen vermuten lassen. In einigen Bereichen konnte der amerikanisch-russische Austausch sogar trotz Sanktionen zulegen. Nach einer Umfrage der US-Handelskammer in Russland sei das Investitionsvolumen von US-Unternehmen im Jahr 2015 deutlich gewachsen. Laut Kammerpräsident Alexis Rodzjanko hinge dies damit zusammen, dass die russische Regierung eine Lokalisierung der Produktion in Russland forciere, damit ausländische Unternehmen weiterhin für Staatsaufträge zugelassen werden.

Auch europäische Unternehmen hätten diese Möglichkeit. Allerdings gebe es zwischen Europa und den USA einen Unterschied bei der Handhabung der Sanktionen, glaubt Leonid Michelson, Leiter des westsibirischen Energieunternehmens Nowatek: „Die Amerikaner stellen sicher, dass sie nicht gegen die Sanktionen verstoßen, aber sie arbeiten weiter mit uns. Die Europäer lesen nur ‚Sanktionen‘ und ‚Novatek‘, und dann kommen sie nie wieder zurück.“

Luftfahrt, Raumfahrt und Atom

Auch der Russland-Experte Alexander Rahr äußerte sich dazu im Exklusiv-Interview mit Ostexperte.de: „In einer Zeit, in der das Handelsvolumen zwischen Russland und Deutschland zusammengebrochen ist, haben findige Unternehmer aus den USA mit Anwälten und Know-how herausgefunden, wie sie die Sanktionen umgehen können. Sie sind in Nischen hineingegangen, die von anderen verlassen wurden. Die amerikanische Wirtschaft ist weniger ideologisch als die europäische.“

Der stellvertretende Direktor des Moskauer Instituts für USA und Kanada, Boris Supjan, betont gegenüber WELT die Qualität des Warenaustausches zwischen den USA und Russland. Dabei erwähnte er die Zusammenarbeit in den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt sowie im atomaren Sektor. Die Raumfahrt sei sogar von den Sanktionen ausgenommen. Russland exportiere unter anderem Raketentriebwerke in die USA.

Politisches Verhältnis

Auch die russischen Exporte von Triebwerken und Ausrüstung für die zivile Luftfahrt in die USA seien mit einem Volumen von 1,327 Mrd. US-Dollar (2016) sehr hoch. Vor allem Boeing und Airbus profitieren von hochwertigen Titan-Erzeugnissen aus Russland. „Die geschäftlichen Beziehungen zwischen Russland und den USA haben weitaus weniger gelitten als die politischen“, erklärte US-Kammerpräsident Rodzjanko.

Nichtsdestotrotz sollten die politischen Verwerfungen der beiden Länder nicht vergessen werden. Mittlerweile haben die Russen ihre Hoffnungen auf eine Verbesserung des politischen Verhältnisses unter Donald Trump über Bord geworfen. Dies beweist die jüngste Eskalation im Syrien-Konflikt. Am morgigen Mittwoch reist US-Außenminister Rex Tillerson nach Moskau. Dort wird er möglicherweise auch mit Wladimir Putin sprechen.