Urs UnkaufVon

Aserbaidschans multilaterales Forum für interreligiösen Dialog in Berlin

Am 19. November 2018 fand im Berliner Hotel Adlon Kempinski die internationale Konferenz „Vom Dialog zur Zusammenarbeit zwischen Religionen und Zivilisationen“ statt. Diese wurde in Kooperation vom Internationalen Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit in Baku, der Botschaft der Republik Aserbaidschan in Deutschland, dem Deutsch-Aserbaidschanischen Forum sowie der Akademie für Kulturdiplomatie organisiert.

Redner der Konferenz waren hochrangige Vertretern staatlicher Institutionen aus Aserbaidschan und Deutschland, darunter der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel. Als besonderen Gast und Mitinitiator der Konferenz konnten die internationalen Gäste den Vorsitzenden der Verwaltung der Muslime des Kaukasus und Generalsekretär des Internationalen Zentrums für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit, Sheikh-ul-Islam Allahshukur Pashazade (Foto), willkommen heißen. Daneben waren Staatsmänner wie Mohamad Moncef Marzouki, ehemaliger Präsident von Tunesien, bei der Konferenz präsent. Des Weiteren nahmen Wissenschaftler, Repräsentanten zahlreicher Religionsgemeinschaften aus der ganzen Welt sowie Vertreter des diplomatischen Corps, des Deutschen Bundestages und der Zivilgesellschaft teil.

Der Einladung des Botschafters der Republik Aserbaidschan, S.E. Ramin Hasanov, folgten zahlreiche Kollegen aus dem diplomatischen Corps, u.a. der Botschafter der Libanesischen Republik, S.E. Dr. Mustapha Adib, der Botschafter der Republik Türkei, S.E. Ali Kemal Aydin, der Botschafter der Arabischen Republik Ägypten, S.E. Dr. Badr Abdelatty sowie der Botschafter der Liga der Arabischen Staaten, S.E. Talal El-Amine.

Neben Aserbaidschan und Deutschland nahmen Vertreter religiöser und kultureller Institutionen aus Ägypten, Tunesien, Russland, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Georgien, Belarus, der Ukraine, der Türkei, dem Vatikan, Libanon, Usbekistan, Kroatien und Montenegro teil.

Aserbaidschan ist das Musterbeispiel eines säkularen muslimisch geprägten Landes

Ausgehend von den Erfahrungen Aserbaidschans betonte Botschafter Hasanov die Bedeutung eines Dialogs der Kulturen und Zivilisationen als Bedingung des friedlichen Miteinanders in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts. Das aserbaidschanische Modell des Multikulturalismus wird bereits in vielen Ländern an renommierten Universitäten und Forschungsinstituten studiert. So hat Aserbaidschan als mehrheitlich muslimisch geprägte Nation zahlreiche Mittel zum Wideraufbau von katholischen Kirchen und Synagogen bereitgestellt. Die Geschichte der deutschen Einwanderer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie die Kontinuität jüdischen Lebens im südlichen Kaukasus sind wichtige Faktoren, welche die Entwicklung des heutigen, toleranten und multireligiösen Aserbaidschan begünstigten.

Markus Grübel unterstrich in seinem Grußwort die besondere Rolle Aserbaidschans als erstem säkularem muslimischem Staat. Zugleich war die Demokratische Republik Aserbaidschan der erste muslimische Staat, der das Frauenwahlrecht eingeführt hat. In der Geschichte Aserbaidschans sind keine Pogrome oder Vertreibungen an den Menschen jüdischen Glaubens überliefert, was dazu führt, dass die jüdische Gemeinschaft der Ashkenasen und Bergjuden in Aserbaidschan heute auf die stolze Anzahl von über 30.000 Mitgliedern in acht lokalen Gemeinden angewachsen ist.

Inhaltlich fokussierte sich die Konferenz auf die Themen der interreligiösen und interkulturellen Zusammenarbeit im Kontext aktueller Herausforderungen der internationalen Politik, wie beispielsweise Terrorismus, Separatismus, Ausländerfeindlichkeit, Minderheitenschutz, interreligiöse Aspekte der Bildung und Erziehung, die Bewahrung des religiösen und historischen Erbes sowie die Flüchtlingsproblematik. Die Ergebnisse der Gesprächsforen wurde in der von den Teilnehmern verabschiedeten ‚Berlin Declaration‘ festgehalten. Die Erklärung beinhaltet fünf zentrale Forderungen, die sich sowohl an die UNO, als auch an die Mitgliedsstaaten, internationale Organisationen und regionale Akteure richten:

  • Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs auf der Basis gemeinsamer Verständigung und mit dem Ziel, die Kooperationen in diesem Bereich auszubauen.
  • Förderung des erweiterten Dialogs mit dem Ziel, die Propagierung von Gewalt aufgrund von nationaler Herkunft, Ethnie und Religion zu bekämpfen.
  • Förderung von Maßnahmen zur Prävention von Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit sowie zur Bekämpfung von Terrorismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter missbräuchlicher Berufung auf religiöse Motive.
  • Anerkennung der UN-Charta sowie der Prinzipien des Völkerrechts, insbesondere der gleichberechtigten Souveränität, territorialen Integrität und Unveränderlichkeit der Grenzen von Staaten. Daraus resultierend Leistung eines Beitrages zur friedlichen Lösung anhaltender Konflikte, dies betrifft den Mittleren Osten, Palästina, Syrien und den Karabach-Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien.
  • Ergreifung von Maßnahmen auf dem Gebiet der Bekämpfung von Bedrohungen der internationalen Stabilität und Sicherheit mittels der zentralen koordinierenden Rolle der UNO. Hierzu zählen die Prävention von Terrorismus, aggressivem Separatismus und Extremismus, die zu neuen Konflikten und Flüchtlingsströmen führen.

Urs Unkauf
Über den Autor

(geb. 1994) studierte von 2013-2016 Geschichte und Soziologie an den Universitäten Tübingen und Aix-en-Provence (B.A., Licence d’Histoire). Derzeit Masterstudium der Zeitgeschichte und Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Akademische Projekte führten ihn u. a. nach Israel, Belarus, in die Russische Föderation und die Ukraine. Seine thematischen Schwerpunkte sind internationale Beziehungen, Diplomatie und die Entwicklung der Beziehungen Deutschlands zu Russland, Osteuropa, Südkaukasien und Zentralasien. Berufliche Erfahrungen in den Bereichen Politikberatung (Energiepolitik, Außenwirtschaft, internationale Wirtschaftsbeziehungen) und Aufbau von internationalen Kontakten.