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Neue Geschäftsklima-Umfrage: Angst vor Russlands China-Zuwendung nimmt ab, Importersatz-Politik wird kritisch gesehen und Lage weiter schwierig

Die heute veröffentlichte Geschäftsklima-Umfrage der AHK Russland und des Ost-Ausschusses in Kürze:

  • Angst vor Hinwendung Russlands nach China ist deutlich zurückgegangen
  • Vision eines Wirtschaftsraums Lissabon-Wladiwostok weiterhin hoch im Kurs
  • Wirtschaftliche Lage Russland 2016 weiter schwierig, aber besser als im Vorjahr
  • Überwiegende Mehrheit befürwortet eine Aufhebung der Sanktionen
  • Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen zurückgegangen
  • Importersatz-Politik wird negativ gesehen.

Die deutschen Unternehmen in Russland haben weniger Angst vor einer Hinwendung Russlands zu China als noch im letzten Jahr. Das geht aus der neuen Geschäftsklima-Umfrage hervor, die heute auf einer Pressekonferenz in Berlin von der AHK Russland und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft vorgestellt wurde. Erstmals dabei war auch der seit Jahresbeginn neue Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Wolfgang Büchele.

Insgesamt wurden für die 13. Geschäftsklima-Umfrage 152 deutsche Unternehmen befragt. Diese Firmen beschäftigen in Russland über 131.000 Menschen. Hier gelangen Sie zur Umfrage.

Angst vor China-Zuwenung nimmt ab

Nur noch 15 Prozent der Unternehmen meinen, dass Russland China als Wirtschaftspartner bevorzugt. Bei der Umfrage im Vorjahr waren es noch 49 Prozent. Nun geht die Hälfte von einer Mittellösung, einem Schwanken zwischen China und EU, aus. Fast ein Fünftel sieht die EU sogar weiterhin als bevorzugten Partner Russlands.

Büchele erläuterte:

„Russland orientiert sich wieder mehr nach Europa. Der Wille zur Erneuerung der Partnerschaft nimmt zu. Wir hoffen, dass kluge Politik diese Signale aufnimmt und noch stärker auf gemeinsame Lösungen hinarbeitet, die wir für wirtschaftliches Wachstum und die Entschärfung einer Vielzahl von Konflikten dringend brauchen“.

Lissabon-Wladiwostok wird nach wie vor befürwortet

AHK RusslandAuch eine weitere Hoffnung, das Thema „Gemeinsamer Wirtschaftsraum zwischen Lissabon und Wladiwostok“, war erneut ein Thema. Büchele und der AHK-Präsident und OMV-CEO Rainer Seele warben für diese Kooperation – auch als Mittel, den Ukraine-Konflikt wirtschaftlich zu entschärfen, weil dann der Zerfall in konkurrierende Wirtschaftsräume entfiele. Drei Viertel der befragten Firmen beurteilen die Vision „Lissabon-Wladiwostok“ positiv.

Russlandgeschäft weiter schwierig

Die Unternehmen erachten die wirtschaftliche Lage in Russland 2016 weiter als schwierig. 82 Prozent erwarten für 2016 eine negative oder leicht negative Entwicklung. Das ist immerhin schon besser als im Vorjahr. Damals waren es noch 94 Prozent. Ähnlich sieht es bei den Exporterwartungen aus. Über die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) gehen von rückläufigen Exporten nach Russland aus.

Das Geschäftsklima, die Gesprächsbereitschaft und der Wille zur Kooperation habe sich aber wieder deutlich verbessert, sagte Seele.

Viele Investitionen zurückgestellt

Ihre eigene wirtschaftliche Lage bewerten nur 16 Prozent als gut oder sehr gut. Entsprechend plant auch nur ein Viertel der Unternehmen Investitionen. Rund ein Drittel stellte geplante Investitionen in zusammengenommen dreistelliger Millionenhöhe zurück.

Russland zu verlassen ist keine Option

Verlassen will Russland aber fast niemand. Drei Viertel der Befragten gaben an, ihre Russland-Aktivitäten halten oder ausbauen zu wollen. Es gebe dennoch weiterhin gute Argumente für Russland, sagte Seele: „Natürlich sind die augenblicklichen Bedingungen nicht ideal, aber Größe, Attraktivität, mittelfristig auch wieder Umsatz- und Gewinnerwartungen und die dringende Notwendigkeit einer Modernisierung und weiteren Industrialisierung Russlands sind weiterhin gute Argumente für Russland.“

Importsubstitution wird skeptisch gesehen

Russlands Politik des Importersatzes wird von den deutschen Firmen kritisch beäugt. Fast die Hälfte der Unternehmen erwarten davon negative Folgen für das eigene Geschäft. 20 Prozent sehen darin Chancen.

Rainer Seele fasste die Position der Unternehmensvertretung zusammen: „Kritisch betrachten wir Prozesse, die den Markt abschotten, einseitig russische Hersteller begünstigen und zu Monopolbildungen führen“. Hier seien Reformen notwendig.

Als weitere Bereiche mit großem Nachbesserungsbedarf in Russland nannten die Unternehmen Korruption und den bürokratischen Aufwand.

Unternehmen sehen als Vorteile: Konsumverhalten und geringe Steuerlast

Die Vorteile des Russlandgeschäfts sind laut Umfrage das Konsumverhalten der Russen (das zuletzt abnahm) und die geringe Steuerlast. Als wachstumsstärkste Branchen im Land schätzen Unternehmen die Landwirtschaft und die Ernährungsindustrie, die mit den russischen Gegensanktionen (Einfuhrverbote für Lebensmittel) gefordert sind.

Aufhebung der Sanktionen wird überwiegend befürwortet

Die Sanktionen lehnen die deutschen Unternehmen – wenig überraschend – weiter ab. 60 Prozent wollen, dass sie sofort aufgehoben werden, 28 Prozent sind für den schrittweisen Abbau. Nur 12 Prozent halten es für sinnvoll, sie beizubehalten. Vor einem Jahr fanden sie noch 24 Prozent sinnvoll.

Man dürfe bei einer Aufhebung der Sanktionen allerdings nicht damit rechnen, dass die „russische und die ukrainische Wirtschaft über Nacht belebt“ würden, sagte Büchele. „Aber dieses Signal könnte zu einem erheblichen Investitionsschub in ganz Osteuropa führen.“ Die Sanktionen hätten die Unternehmen nachhaltig verunsichert.

Alle hofften auf einen „Einstieg in den Ausstieg aus den Wirtschaftssanktionen“, setzte Büchele den Kurs seines Vorgänger Eckhard Cordes fort, der ebenfalls diese Worte wählte.

Deutsch-russischer Handel um 25,5 Prozent zurückgegangen

Auch aktuelle Zahlen zum Handel mit Russland gaben die Wirtschaftsvertreter heute bekannt: Insgesamt sei der deutsch-russische Handel 2015 um ein Viertel (25,5 Prozent) gesunken. Deutsche Exporte nach Russland seien um 7,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Auch die Exporte in die Ukraine (-18 Prozent), Kasachstan (-27 Prozent) und weitere Länder der Region seien gefallen. Lichtblicke seien Rumänien (+13 Prozent) und Kroatien (+16 Prozent).

 

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Quelle: AHK Russland

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