Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

Umfrage: Russen wollen Mindestalter für Alkoholerwerb auf 21 erhöhen

Das staatliche Markt- und Meinungsforschungsunternehmen VTsIOM („Russian Public Opinion Research Center“) hat am 27. Dezember 2016 eine Pressemitteilung zum Alkoholkonsum in Russland veröffentlicht. Demnach wünschen sich 77 Prozent der Russen eine Anhebung des Alkoholersterwerbsalters von 18 auf 21 Jahre. 

VTsIOM hat 6.000 Russen in 272 verschiedenen Städten befragt. Etwa drei Viertel der befragten Personen (77 Prozent) wollen, dass das Mindestalter für legalen Alkoholerwerb von 18 auf 21 Jahre erhöht wird. Im Vergleich zur selben Umfrage im letzten Jahr (72 Prozent) entspricht dies einer Steigerung um 5 Prozent. Die Zustimmung bewegt sich seit drei Jahren auf einem Niveau von über 70 Prozent. Nur 17 Prozent der Befragten lehnen eine Erhöhung ab.

Großstädter befürworten Anhebung des Alkoholersterwerbsalters

Die meisten Befürworter (82 Prozent) stammen aus Millionenstädten, dicht gefolgt von Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern (81 Prozent). Eine Ausnahme stellen die Metropolen Moskau und Sankt Petersburg (jeweils 74 Prozent) dar. Auch in Kleinstädten (weniger als 100.000 Einwohner) haben 74 Prozent der Teilnehmer die Anhebung des Mindestalters befürwortet. In Dörfern konnten 78 Prozent Befürworter ausgemacht werden.

Erwähnenswert sind auch die demographischen Unterschiede. Die Maßnahme scheint besonders bei Frauen (82 Prozent) populär. Bei Männern (71 Prozent) fällt die Anzahl der Befürworter im Vergleich eher gering aus. Eine weitere Auffälligkeit: Je älter die Person, desto eher befürwortet sie eine Anhebung. Personen ab 45 Jahren befürworten die Maßnahme zu 80 Prozent. Jüngere Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sehen dies bei einem Wert von 68 Prozent eher skeptisch.

Lebenserwartung in Russland

Ein gesunder Lebenswandel führte auch zur Steigerung der Lebenserwartung, berichtete die Moskauer Deutsche Zeitung im April. Dabei beruft sie sich auf Zahlen, die Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa im März vorgelegt hat.

Demnach beträgt die Lebenserwartung derzeit 71,2 Jahre. Frauen leben durchschnittlich 76,6 Jahre, Männer dagegen nur 65,8 Jahre. Trotzdem seien die Zahlen seit 2014 bei Männern (+0,5 Jahre) und bei Frauen (+0,12 Jahre) angestiegen. Weniger Alkohol und Nikotin führten zum positiven Wandel, merkte Skworzowa an.

Verkaufsverbot für Alkohol ab 23 Uhr

In den letzten Jahren hat Russland mit zahlreichen Maßnahmen versucht, das nationale Alkoholproblem in den Griff zu bekommen. So wurde ein Alkohol-Verkaufsverbot zwischen 23 Uhr und 8 Uhr beschlossen. Kleine Kioske dürfen kein Bier mehr verkaufen.

Schließlich wurden auch die Alkoholpreise erhöht, wobei diese Maßnahme jüngst nach einem tragischen Methanol-Unfall in Irkutsk mit billigem Ersatz-Alkohol unter Kritik geriet. Die Erhöhung des Alkoholersterwerbsalters könnte in Zukunft ein weiterer Versuch sein, den Alkoholkonsum in Russland zu begrenzen.

Alkoholmarkt in Russland

Der Alkoholmarkt in Russland ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. In Russland wurden 2015 rund 10,62 Milliarden Liter Alkohol abgesetzt. Zum Vergleich: In Deutschland waren es etwa 11,52 Milliarden Liter.

Titelbild

Quelle: Iwan Gabovitch, Русские? Водки 1, Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 2.0 

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.