Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

Alibaba führt PayPal-Konkurrenten in Russland ein

Die chinesische Alibaba Group will ihren Bezahlungsdienst AliPay in Russland einführen. Dies berichtet das Wirtschaftsportal RBC.

Die Zahl der chinesischen Touristen in Russland ist auf Wachstumskurs. Deshalb hat sich der E-Commerce-Konzern dazu entschieden, den PayPal-Konkurrenten AliPay auch in Russland einzuführen. Das Online-Bezahlungssystem gilt als größtes seiner Art. 2016 wird das Volumen der Transaktionen via AliPay auf 1,7 Billionen US-Dollar geschätzt.

Kooperation mit Visa und Mastercard

Zum Vergleich: Der kalifornische Online-Finanzdienstleister PayPal kam 2016 nur auf ein Volumen von 354 Milliarden US-Dollar. Beide Systeme funktionieren ähnlich. Mit einem Online-Konto können Zahlungen an Dritte ausgeführt und Zahlungen von Dritten empfangen werden. Dabei fungieren AliPay bzw. PayPal als Dienstleister für den Transfer.

AliPay hat schätzungsweise 450 Millionen Nutzer. Konkurrent PayPal kommt lediglich auf ca. 197 Millionen. Beide Systeme kooperieren mit den US-Kreditkartengesellschaften Visa und Mastercard. Innerhalb von 10 Jahren will Alipay seine Nutzerzahl auf 2 Milliarden erhöhen. Der Anteil ausländischer Nutzer soll auf 60 Prozent heranwachsen.

Transaktionen per Smartphone

Nach Angaben der Alibaba-Mitgründerin Peng Lei wurden 2016 täglich durchschnittlich 175 Millionen Transaktionen via AliPay durchgeführt, 71 Prozent davon per Smartphone oder Tablet. Neben dem chinesischen Markt ist der Service auch in Indien, Südkorea und Thailand verbreitet. Nun könnte Russland folgen, ein beliebtes Reiseziel bei Chinesen.

Der Tourismus spielt eine große Rolle für das Wachstum von AliPay. Laut einem Bericht der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) sind 2016 rund 135 Millionen Chinesen ins Ausland gereist, was einer Steigerung von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im selben Jahr haben chinesische Touristen weltweit etwa 261 Mrd. US-Dollar ausgegeben.

Touristen aus China

Bis 2020 könnte die Anzahl chinesischer Touristen laut einer Einschätzung der staatlichen Tourismus-Behörde auf 200 Millionen heranwachsen. Nach einer Studie der Tourismus-Website Hotels.com legen chinesische Touristen einen großen Wert darauf, auch im Ausland chinesische Bezahlungssysteme in Anspruch zu nehmen.

Zu den ersten AliPay-Partnern in Russland zählt laut RBC die Modulbank. Auch zahlreiche Geschäfte sollen den Service demnächst akzeptieren, darunter Juweliere, Souvenirläden, Uhrmacher sowie Hotels bzw. Hostels. Viele davon sollen im Zentrum der russischen Hauptstadt verortet sein, zum Beispiel im beliebten Stadtteil Arbat.

Duty-Free-Shops und Luxus-Händler

Zusätzlich plant AliPay Kooperationen mit Duty-Free-Shops und Luxus-Händlern an Moskauer Flughäfen. „Wir schätzen, dass zehntausende Outlets in Russland an steigenden Verkäufen durch chinesische Touristen interessiert sind“, erklärt der GUS-Chef des Unternehmens, Bogdan Sadoroschnji, gegenüber RBC.

Seiner Einschätzung nach haben chinesische Touristen eine positive Auswirkung auf kleine und mittelgroße Geschäfte in Russland. AliPay will sich offensiv um Partnerschaften auf dem russischen Markt bemühen, erklärt Sadoroschnji. Ihm zufolge zählen vor allem Moskau, Sankt Petersburg, Sibirien und der Ferne Osten zu beliebten Reisezielen.

Mehrwertsteuerfreies Einkaufen für Ausländer

Als Wachstumstreiber gilt die jüngste Initiative der russischen Regierung, mehrwertsteuerfreies Shoppen für Ausländer zu erlauben. Ab Oktober 2017 startet Russland ein Pilotprojekt für ausgewählte Geschäfte wie das Warenhaus GUM in Moskau. Die Rückerstattung der Mehrwertsteuer soll an Flughäfen in Moskau, St. Petersburg und Sotschi erfolgen.

Der chinesische Online-Bezahlungsdienst AliPay wurde 2009 für Transaktionen auf dem Online-Auktionshaus Taobao, dem chinesischen eBay-Konkurrenten, eingeführt. Später wurde der Service auf weitere Plattformen der Alibaba Group ausgeweitet, unter anderem auf den chinesischen Amazon-Konkurrenten AliExpress.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.