Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Die AHK Russland rechnet nicht mit einem baldigen Wachstum der russischen Wirtschaft und spricht sich gegen die Sanktionen aus.

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) hat sich auf einer Pressekonferenz am Freitag in Berlin zu den Aussichten der deutschen Wirtschaft in Russland geäußert. AHK-Präsidente Rainer Seele gab dort die Einschätzung ab: „Der Markt kommt erst 2017 wieder richtig in Schwung.“ Derzeit sei die Situation der Unternehmen in Russland nicht gut: „Die deutsche Wirtschaft leidet in Russland, und sie leidet sehr deutlich.“

Die wohl für heute bevorstehende Verlängerung der Russlandsanktionen in Brüssel ist dabei offensichtlich nicht hilfreich (siehe heutige Tagesübersicht Russlandgeschäft und Artikel zur Sanktionsverlängerung).

Seele sprach sich dafür aus, die Sanktionen zu überdenken und nach und nach – entsprechend dem Minsker Abkommen – zu entfernen. Es sei notwendig, dass Russland wieder ein „strategischer Partner“ werde.

Anfang Dezember hatte die AHK eine Umfrage unter 134 deutschen Firmen zu den Sanktionen veröffentlicht. 41 Prozent rechnen dort ebenfalls mit einer Verlängerung der Sanktionen, 31 Prozent mit einer Abmilderung und nur 28 Prozent mit einer Aufhebung.

In der Umfrage zeige sich zudem, dass zwar ein Großteil der Unternehmen die ökonomische Wirkung, nicht aber die politische Wirkung der Sanktionen sehe.

Auswirkungen der Sanktionen spürbarer

Die Auswirkungen der Sanktionen auf die Unternehmen seien spürbarer als noch vor einem Jahr. Zwei Drittel der in Russland aktiven deutschen Unternehmen spüren nun negative Folgen der Sanktionen. Im August 2014 sagten das nur 38 Prozent. Die Hälfte der Unternehmen klagte die Einschränkungen auf dem Finanzmarkt und jede vierte Firma fühlt sich von den Sanktionen bei Dual-Use-Gütern betroffen.

Umsätze in Euro abgestürzt

Dass sich eine überwiegende Mehrheit der Unternehmen eine Aufhebung wünschen dürfte, wird vor allem deutlich, wenn man sich deren Angaben zur Umsatzentwicklung in Euro seit dem Beginn der Sanktionen im März 2014 ansieht: bei fast drei Vierteln (74 Prozent) der Unternehmen haben sich die Euro-Umsätze verschlechtert. Bei 16 Prozent sogar um -50 Prozent oder mehr. Gleichgeblieben ist sie bei 14 Prozent, verbessert hat sich der Euroumsatz nur bei 9 Prozent der rund 850 Befragten Firmen.

Doch am abgestürzten Wechselkurs können die Unternehmen nichts ändern. So zeigt sich auch ein deutlich anderes Bild, wenn man die Rubelumsätze betrachtet. Hier sind die Umsätze von knapp der Hälfte der Befragten zumindest gleich geblieben.

Türkei-Sanktionen ebenfalls mit negativer Wirkung auf deutsche Unternehmen in Russland

Die Sanktionen sind schlecht und wirkungslos, sagen die Unternehmen und Unternehmensverbände, doch es sind kürzlich sogar weitere belastende Sanktionen hinzugekommen – von russischer Seite diesmal. Die Sanktionen Russlands gegenüber der Türkei aufgrund eines abgeschossenen russischen Militärflugzeugs zeigen ebenfalls Wirkung auf die deutschen Firmen.

Zwei Drittel der deutschen Unternehmen in Russland litten unter den restriktiven Maßnahmen Russlands gegen die Türkei, sagte Seele in Berlin.

Quellen:

Artikel:

Reuters: „Deutsche Unternehmen erwarten erst 2017 Wachstum im Russland-Handel

RIA Novosti: „Немецкий бизнес выступает за постепенное снятие санкций с России

Umfrage:

AHK Moskau: Auswertung Umfrage Sanktionen Nov./Dez. 2015

Titelbild

Quelle: Simon Schütt (Bild des Banners von Ende 2013)

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.