Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Simon SchüttVon

Aeroflot-Chef Saweljew: Aeroflot 2015 mit 14 Prozent mehr Passagieren

Witalij Saweljew, Aeroflot-Generaldirektor, hat Passagierzahlen der russischen Airline für 2015 bekanntgegeben. Insgesamt seien sie deutlich angestiegen, was vor allem an den Inlandsflügen liege. Durch die Pleite des Konkurrenten Transaero habe man kein Monopol, sagte er zudem in einem Gespräch mit Russlands Präsident Putin.

Die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot und ihre Tochtergesellschaften Rossija, Orenair, Donavia, Aurora und Pobeda haben 2015 39,4 Millionen Passagiere befördert. 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Das gab Aeroflot-Generaldirektor Witalij Saweljev am Dienstag, den 12. Januar bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bekannt (Transkript auf Kreml-Website).

Die Hauptgesellschaft Aeroflot allein transportierte im Jahr 2015 26,1 Millionen Menschen, sagte Saweljew. Das sind 10 Prozent mehr als 2014. In jedem Monat habe es zudem ein Wachstum gegeben, erklärte der Chef der teilstaatlichen Fluggesellschaft.

Die Passagierzahlen Aeroflots 2015:

Aeroflot (mit Töchtern):

  • 39,4 Millionen (+14 Prozent)

Aeroflot (Kerngesellschaft):

  • 26,1 Millionen (+10 Prozent)

2014 flogen laut Aeroflot-Jahresbericht 34,7 Millionen Gäste mit der Aeroflot-Gruppe und 23,6 Millionen mit der Kerngesellschaft.

Kann Aeroflot die Wechselkursschwankungen und steigenden Betriebskosten ausgleichen?

Finanz-Kennzahlen nannte Saweljew in dem Gespräch mit Putin nicht. Eine Aussage dazu, wie rentabel der Anstieg der Passagierzahlen für Aeroflot 2015 war, kann also hier nicht gemacht werden.

Allerdings hatte Aeroflot im ersten Halbjahr 2015 einen Nettoverlust von 3,5 Milliarden Rubel (umgerechnet fast 50 Millionen Euro) hinnehmen müssen. Im Jahresvergleich konnte damals der Passagierverkehr um 14 Prozent erhöht und der Marktanteil um 5,8 Prozentpunkte gesteigert werden.

Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2015 hat sich zudem der Rubel-Wechselkurs in der zweiten Jahreshälfte deutlich verschlechtert – und der starke Wertverfall des Rubel trifft die russischen Fluggesellschaften hart. Wartung, Flughafengebühren und Leasing-Verträge müssen meist in US-Dollar gezahlt werden.

Kredite lassen sich außerdem aufgrund der bestehenden Finanzmarkt-Sanktionen nur schwer refinanzieren.

Im Halbjahresbericht hieß es noch: „Durch strenge Kostenkontrolle konnten die steigenden Betriebskosten trotz schwankender Wechselkurse im Zaum gehalten werden“.

Ob das auch im zweiten Halbjahr gelungen ist, wird sich zeigen, wenn aktuelle Zahlen veröffentlicht werden.

Reiseverhalten der Russen hat sich verändert

Eines hat sich Saweljew zufolge in jedem Fall verändert: das Reiseverhalten der Russen.

„Der Markt hat sich natürlich verändert. Die Passagiere reisen mehr innerhalb Russlands. Wir sehen zwar einen gewissen Abfall der Passagiere bei unseren internationalen Flügen.“ Doch die Inlandsflüge hätten der Aeroflot-Gruppe einen Anstieg um ein Drittel (+34 Prozent) beschert, fügte der 61-Jährige hinzu. Das sei eine signifikante Zahl. Man fokussiere sich nun neu.

Das hat vor allem mit der Wirtschaftskrise und dem schwachen Rubel zu tun. Urlaub im Ausland ist für Rubelverdiener deutlich teurer geworden. 2015 haben offiziellen Statistiken zufolge etwa 30 Prozent weniger Russen Urlaub im Ausland gemacht. Die beliebten Reiseziele Türkei und Ägypten fliegen russische Airlines zudem nicht mehr an. Daher steigt die Zahl der Russland-Urlauber und somit auch die Zahl der Inlandsflüge.

Dazu auch einige aktuelle Zahlen: 30-35 Prozent weniger russische Bürger sind zu Neujahr 2016 ins Ausland gereist, gaben russische Tourismusverbände kürzlich bekannt. Mit ihren vielen Feiertagen sind die ersten zehn Januartage eine beliebte Urlaubszeit in Russland. Der Inlandstourismus stieg parallel nur um 6-10 Prozent. Viele blieben einfach zu Hause.

Aeroflot übernimmt Mitarbeiter und Flugzeuge von Transaero

Transaero airplane

Eine Transaero-Maschine am Boden – jetzt der Dauerzustand.

Putin und Saweljew sprachen außerdem über insolvente russische Airline Transaero.

Am 26. Oktober verlor die erste rein private Airline Russlands und zweitgrößte Fluglinie des Landes ihre Fluglizenz. Aeroflot hatte im September 2015 noch versucht, das hoch verschuldete Unternehmen zu übernehmen, doch die Übernahme scheiterte, weil der Vorstand am 1. Oktober das Angebot zur Aktienübernahme zum symbolischen Preis von einem Rubel ablehnte (Ostexperte.de berichtete).

Aeroflot wolle 34 Maschinen des insolventen Konkurrenten übernehmen und Platz für bis zu 6000 Transaero-Beschäftigte schaffen, gab nun der Aeroflot-Chef bekannt. Bislang seien 2000 ehemalige Transaero-Mitarbeiter zu Aeroflot gewechselt.

Man habe außerdem seit dem Bankrott 1,9 Millionen Transaero-Passagiere transportiert, sagte Saweljew. Die wenigen verbliebenen Passagiere würden die Ticketkosten zurückerstattet bekommen.

Saweljew: Mit Transaero-Insolvenz ist kein Monopol entstanden

WItalij Saweljew

WItalij Saweljew, Aeroflot-Generaldirektor.

Die zweitgrößte russische Airline geht Pleite und die größte Fluggesellschaft des Landes übernimmt deren Flugzeuge und Mitarbeiter. Steuert Aeroflot also auf ein Monopol zu?

Saweljew sieht das nicht so. Er sei nicht der Ansicht, dass der Abflug Transaeros zu einer Ungleichheit des russischen Flugmarktes und zu einer Dominanz der teilstaatlichen Aeroflot geführt habe, griff er die Kritik vorweg.

„Glücklicherweise ist Aeroflot nicht zu einem Monopol geworden – trotz der signifikanten Zahlen. Ich freue mich Ihnen [Präsident Putin] mitzuteilen, dass die Aeroflot-Gruppe, wenn wir die ausländischen Fluggesellschaften dazuzählen, die ebenfalls russische Passagiere transportieren, einen Marktanteil von 37 Prozent hat.“

Nehme man nur die russischen Airlines, so liege der Anteil bei 42 Prozent „und nicht etwa bei 50 oder mehr“.

Die 13 Millionen Fluggäste von Transaero im Jahre 2014 seien auf die übrigen Linien verteilt worden. UTair, S7 und Ural Airlines hätten jeweils auch ihren Teil abbekommen. „Wir betrachten die Gesamtsituation des Marktes als positiv“, sagte er.

Insgesamt sieht es aber nicht gut aus auf dem russischen Luftfahrt-Markt. UTair ist beispielsweise ebenfalls verschuldet. Die drittgrößte russische Airline, verkaufte Anfang 2015 44 Maschinen, um Kosten zu sparen. Mehrere ausländische Fluggesellschaften hatten sich zuletzt vom russischen Markt zurückgezogen – darunter auch die deutsche Linie AirBerlin.

Das Monopol Aeroflots wäre vielmehr eines auf einen kriselnden Markt.

Man werde sehen wie dieses Jahr verlaufe, gab sich Saweljew optimistisch. Er hoffe noch immer, dass die russischen Bürger weiter reisen werden und  auf eine „Veränderung des Marktes zum Besseren“.

„Sieg“ im zweiten Anlauf

Pobeda

Eine Boing 737-800 des Aeroflot-Billigfliegers „Pobeda“.

Ein weiteres Gesprächsthema der beiden bei ihrem Treffen am Flughafen Scheremetjewo war die neue Aeroflot-Billigairline „Pobeda“ (russ.: Sieg). Pobeda war der zweite Anlauf einer Aeroflot-Billiglinie nachdem das Projekt Dobrolet wegen der verhängten Sanktionen im August 2014 nach nur zwei Monaten abstürzte.

Der Präsident persönlich habe geholfen, die Startbahn für Pobeda freizumachen, bedankte sich Saweljew. Der Neuanfang unter neuem Namen im Dezember 2014 sei ein Erfolg gewesen. Pobeda fliege nun auch erste internationale Ziele an. Inlandsflüge hätten allerdings Priorität, versicherte er.

Der Aeroflot-Generaldirektor zählte daraufhin einige der günstigen Inlands-Angebote auf, die das Land verbänden. Man biete etwa Flüge in den Fernen Osten an. Allerdings habe man für letztere die Preise wegen der gestiegenen Inflation anheben müssen. Kaliningrad und Simferopol würden zu Flatrate-Tarifen angeflogen.

Putin: Bürger sollen sich im eigenen Land bewegen können

Dem russischen Präsidenten gefiel, was er hörte: Aeroflot solle so weitermachen, ordnete er an. Das Wichtigste sei, dass man gewährleiste, dass russische Bürger die Möglichkeit hätten, sich in ihrem eigenen Land zu bewegen. „Es sollte keinen Ort und keine Region in der Russischen Föderation geben, von und zu dem die Bürger nicht fliegen können.“

Fotoquelle

Quelle:

Titelbild:
Flickr-Nutzer Aleksander Markin. Александр Маркин  CC BY-NC-SA 2.0

Bild von Saweljew:
By Burjanton (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Pobeda:
Flickr-Nutzer Woodys Aeroimages  CC BY-NC-ND 2.0

Transkript des Gesprächs zwischen Wladimir Putin und Witalij Saweljev auf der Website des Kremls.

Zahlen zum 1. Halbjahr 2015 von Aeroflot auf Presseportal.de

Jahresbericht von Aerflot für 2014

 

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.