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Dominik KalusVon

Moskau am Nationalfeiertag „Den‘ Pobiedy“

So gespalten, vielschichtig und unterschiedlich Russland in vieler Hinsicht ist, der 9. Mai hält das Land zusammen. Am Den‘ Pobiedy, dem „Tag des Sieges“, wird dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Sieg über Nazi-Deutschland gedacht. Auch dieses Jahr fanden im ganzen Land Paraden statt – die größte natürlich auf dem Roten Platz. 

Die Zahl übersteigt die Grenze des Vorstellbaren. Etwa die Hälfte (27 Mio.) der Todesopfer des Zweiten Weltkriegs (60 Mio.) waren sowjetische Bürger. Dementsprechend wichtig ist der „große vaterländische Krieg“, die Abwehr des Angriffs der Nationalsozialisten, im kollektiven Gedächtnis der Russen. Der Tag gehört den Veteranen, dem Gedenken an die Todesopfer und dem Militär –  denn der russische Staat nutzt die Gelegenheit, an diesem Tag traditionell seine Schlagkraft zur Schau zu stellen.

Im ganzen Land finden Paraden statt, für Übungszwecke wurden in Moskau schon Tage vorher immer wieder Straßen gesperrt. Insgesamt soll sich der Staat die Feierlichkeiten über 600 Millionen Rubel (ca. 8 Millionen Euro) kosten lassen, am teuersten kommt dabei laut RBC die Bewegung der Truppen und Geräte in die Städte.

Geschmücktes Stadtzentrum, geschmückte Besucher

Was viele Ausländer und Touristen überraschte: Die Hauptparade am Roten Platz ist öffentlich gar nicht zugänglich und wer den Aufmarsch sehen möchte, benötigt ein exklusives Zugangsticket. Viele Moskauer ersparen sich den Trubel ohnehin und flüchten am 9. Mai aufs Land – umso mehr Menschen kommen dafür von außerhalb in die Stadt, um den Feierlichkeiten beizuwohnen.

Wer sich am 9. Mai im Zentrum aufhielt, erlebte eine geschmückte, volle und lebendige Stadt. Tausende Menschen schwenkten Flaggen, auf den meisten Besuchern prangte die schwarz-orangene St. Georgsschleife. Mit Orden behängte Veteranen spazierten neben Kindern, freudige „Hurra“-Rufe schallten immer wieder durch die Straßen. An vielen Orten, in Parks, an Straßenecken wurde musiziert, gesungen, getanzt.

Gedenkmarsch für Veteranen und Kriegsopfer: Das „Unsterbliche Regiment“. Foto: Johannes Kunze

Eine in Deutschland nur schwer vorstellbare Besonderheit: das „Unsterbliche Regiment“, der Trauermarsch für die Opfer des Krieges und Veteranen. Die Menschen halten dabei Porträts ihrer Ahnen und Verwandten in die Höhe, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. „Das ist total emotional, du bekommst Gänsehaut“, schildert ein Teilnehmer des Marsches seinen Eindruck. „Manche haben geweint.“

Seinen Anfang hat das „Unsterbliche Regiment“ 2012 als eine unpolitische Initiative im sibirischen Tomsk. Die Organisatoren betonen immer wieder, dass es ihnen um das persönliche Erinnern geht. Ungelegen kommt die Bewegung der russischen Regierung nicht: Den Marsch in Moskau führte Präsident Putin zeitweise persönlich an, mit einem Porträt seines Vaters. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2018 verspüren 87 Prozent der Russen am Tag des Sieges Stolz auf ihr Land.

Ungeachtet des militärischen und staatsglorifizierenden Anteils (der freilich auch nicht allen Russen gefällt) ist der Tag des Sieges auch für den Ausländer ein Erlebnis. Als visuelles und kulturelles Spektakel, als Gelegenheit, mit vielen Russen ins Gespräch zu kommen, als freier Tag mit schönem Wetter. Für letzteres, so heißt es immer wieder, sorge die Regierung durch Wolkenmanipulationen selbst.

Beendet wurden die Feierlichkeiten mit einem großen Feuerwerk über dem roten Platz. In unserer Instagram-Story findet ihr weitere Eindrücke aus Moskau und St. Petersburg. Aufzeichnungen der Parade auf dem Roten Platz kann man sich hier ansehen.

 

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Titelbild: Stockeee / Shutterstock.com

Dominik Kalus
Über den Autor

hat in Passau und Breslau u.a. Internationale Politik und Politische Philosophie studiert. Nach einem Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung und freiem Arbeiten für verschiedene Online- und Printmedien schreibt er derzeit aus Moskau für Ostexperte.de.