Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Was Sie beim Versand von Post von und nach Russland beachten müssen.

Bei den Russen ist die russische Post („Potschta Rossii“) berüchtigt für ihre Unzuverlässigkeit und Langsamkeit. „Denen, die sich in diesem Jahr schlecht benommen haben, schickt Ded Moros [der russische Weihnachtsmann] die Geschenke mit der Potschta Rossii“, lautet etwa ein russischer Witz.

Die Mitarbeiter seien zudem meist unfreundlich, wird der russischen Post weiter nachgesagt. Die Bürger machen dafür vor allem die vergleichsweise geringen Gehälter, die dadurch fehlende Motivation sowie die hohe Mitarbeiterfluktuation verantwortlich. Dabei gehört die Potschta Rossii zu den größten Arbeitgebern in Russland.

Doch was heißt das für Ausländer, die Post in oder nach Russland verschicken wollen? Hier lesen Sie fünf Dinge, die es bei der Post in Russland zu beachten gilt:

1. Post von Deutschland nach Russland braucht lange. 

Russische Post

Mit der russischen Post kann es lange dauern.

Post aus Deutschland nach Russland kann dauern. Wenn Ihnen gesagt wird, dass der Transport eines Pakets etwa zehn Tage dauert, rechnen Sie besser mit 100.

Dazu ein kurzer Bericht aus meiner persönlichen Erfahrung:

Ich gab Mitte Januar ein Paket bei der Post in Deutschland auf. Es werde rund 10 Tage dauern, sagte mir der Beamte am Schalter. Nach etwas über einem Monat fragte ich beim Empfänger in Moskau nach: Es war noch nicht angekommen. Ich erkundigte mich bei der Post und stellte einen Nachforschungsantrag.

Die Antwort: Das Paket sei schon seit Ende Januar in Russland. Das sagte mir auch die Sendungsverfolgung. Laut der lag es auf einem Moskauer Postamt. Nach einer weiteren Woche ohne Antwort schrieb ich der Post erneut. Die Antwort lautete: „Wir haben noch kein Ergebnis aus Russland. Wir rechnen mit einer Bearbeitungsdauer von drei Monaten ab Einleitedatum und werden Sie schriftlich verständigen, sobald ein Ergebnis vorliegt.“

Drei Monate gingen ins Land. Kein Paket in Moskau.

Als ich die Sendung schon aufgegeben hatte und die Entschädigung beantragen wollte, meldete sich die Post: „Wenn bis Montag keine Antwort eintrifft, werden wir den Schadensfall abschließen und Ihnen das entsprechende Schreiben zusenden.“ Erst dann tat sich etwas: Am Montag meldete sich der Empfänger freudig bei mir. Das Paket sei endlich angekommen. Das war Mitte Mai. Vier Monate später.

Und mit dieser Erfahrung bin ich offenbar nicht allein:

Das bestätigt auch ein anderer Leser:

„Genau so und nicht anders: ein Weihnachtsstollen, abgeschickt in Deutschland am 6. Dezember 2011, kam am 24. April 2012 in Moskau an. Auf seiner Reise hatte das Gebäckstück dank Schimmel- und Moosbildung zwar einiges an Intelligenz zugelegt. Zweckmäßig oder gar erwünscht war das aber nicht.“

Post war mit der Potschta Rossii sogar schon 40 Jahre unterwegs. Dabei hatte ein Schuljunge in der Region Tomsk 1975 seine Schwester doch nur gebeten, ihm einen Zirkel zu schicken. Wir hoffen, er war nicht zu enttäuscht darüber, so lange keine Antwort zu erhalten. Auch im Russischen gibt es den Ausdruck „besser spät als nie“. Ob der auch hier gilt?

Doch es gibt auch positive Beispiele: Ein anderes Paket war in weniger als zwei Wochen in Russland. Bei einem Test von Moscow Times-Redakteurin Katrin Scheib mit vier Postkarten kamen drei von vier schon nach 19 Tagen an verschiedenen Orten in Deutschland an. Die vierte Karte brauchte nur einen Tag länger.

Es geht also schon, nur verlassen sollte man sich darauf nicht, daher gilt:

2. Wenn Fristen eingehalten werden sollen, nehmen Sie lieber einen Kurier. 

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber es sei hier noch einmal erwähnt: Bei Dokumenten, die zu einer bestimmten Frist eintreffen müssen oder vertraulich sind, sollte ein Kurier oder Kurierdienst beauftragt werden. Das gilt besonders im Geschäft in oder mit Russland. Auf die russische Post ist hier meist kein Verlass. DHL, UPS und Co. sind hier die bessere Wahl.

Dass das auch für das private Umfeld gilt, verdeutlicht folgendes Beispiel: Das Weihnachtsgeschenk, dass mir meine Mutter bereits Ende November geschickt hatte, kam erst Ende Januar in Moskau an. Sogar zu spät für die russischen Weihnachten am 7. Januar. Allerdings spielen dabei sicher auch die russischen Neujahrsfeiertage eine Rolle, die bis zum 11. Januar dauerten.

Die Sendungen, ob Paket oder Brief, kommen meist an. Wenn sie aber zu einem bestimmten Termin dort sein müssen, sollte lieber ein internationaler Kurierdienst verwendet werden. Für Privatleute ist das allerdings nicht immer eine Option.

Ein solcher Dienst kostet bei Paketen schon einmal so viel wie ein günstiger Flug. Für den gleichen Preis könnte man die Post also persönlich vorbeibringen (Beispiel: Ein 5kg-Paket per UPS von Düsseldorf nach Moskau kostet teilweise über 200 Euro).

3. Post von Russland nach Deutschland dauert auch.

Das heißt nicht, dass es andersherum wesentlich besser ist. Auch Pakete und Briefe, die von Russland nach Deutschland gesendet werden, dauern.

Website Russian Post

Die neue Website von Potschta Rossii im modernen Gewand.

Zunächst dauert es bei der Abgabe am Schalter. Vier Formulare müssen für ein Paket nach Deutschland auf Russisch ausgefüllt werden. Englisch spricht von den Mitarbeitern kaum jemand.

Die Website der Potschta Rossii hat zwar kürzlich ein modernes Design spendiert bekommen, ist allerdings vollständig auf Russisch gehalten. Hier bekommt man ebenfalls wenig Hilfe, wenn man nicht gut Russisch spricht.

Auch die Sendung selbst dauert. Ein A4-Umschlag mit Papieren brauchte vier Wochen. Ein großes Paket war fast zwei Monate unterwegs. Der Weg konnte online nur bis zur deutschen Grenze verfolgt werden, aber es kam ebenfalls an. Bei dringenden Sendungen nach Deutschland wird in den Unternehmen in Russland daher bei Dokumenten ebenfalls eher auf Kurierdienste wie DHL zurückgegriffen (die ihren Preis haben).

Ebenfalls verbreitet ist eine weitere Methode, über die Sie beim nächsten Tipp lesen.

4. Es ist verbreitet, Bekannten die Post mitzugeben, die von Russland nach Deutschland fliegen.

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie einmal von Russland nach Deutschland fliegen und von Bekannten gefragt werden, ob Sie ein Paket mitnehmen können. Es ist eine weit verbreitete Praxis, die Sendungen Bekannten mitzugeben, die bald nach Deutschland fliegen. Die werfen sie dann in Deutschland in den Briefkasten. Das ist meist schneller und wesentlich günstiger.

Eine typische Anfrage in den sozialen Netzwerken lautet dann beispielsweise so: „Fliegt jemand in den nächsten Tagen aus Moskau nach Deutschland, bzw. in die umgekehrte Richtung und könnte einen kleinen Brief mitnehmen?“

Bei normaler Post, die weder eilig noch vertraulich ist, wird das sogar in einigen Unternehmen in Russland (mit Kontakt zu Deutschland) so gemacht.

5. Man stellt sich in der Post nicht einfach in einer Schlange an. 

In den vielen Filialen der Potschta Rossii heißt es meist: Schlange stehen. Doch dabei ist einiges zu beachten.

Potschta Rossii

Bei der Post herrscht in Russland ein besonders Prinzip des Schlangestehens.

Zunächst ist es nicht empfehlenswert, sich einfach an einer Schlange anzustellen ohne zu fragen, wofür sie ist. Manchmal steht man dann nämlich gut eine Stunde am falschen Schalter. Auch wenn nur scheinbar ein Schalter geöffnet ist, sollte man vorher einen der anderen Mitarbeiter hinter dem Schalter freundlich fragen, wo man etwas bekommt.

Meist hat trotz wartender Menschenmassen nur ein Schalter geöffnet und die Beamten lassen sich Zeit. Man sollte mit einer Zeit von etwa 10 Minuten pro Kunden rechnen. Ich hatte allerdings auch bereits das Glück, an sehr zuvorkommende, kompetente und schnell arbeitende Postmitarbeiter zu geraten.

Wenn man dann die passende Schlange gefunden hat, gilt es das typisch russische Schlangestehen zu beachten. Also die Frage: Wer ist der Letzte? „Kto poslednij?“ Dann antwortet meist jemand: „Ich“ oder „Eine junge Dame, die kurz gegangen ist“.

Man sieht sich an, merkt sich, wer vor und wer nach einem steht. So ist es möglich, in langen Schlangen auch kurz noch etwas anderes zu erledigen. Dann teilt man kurz mit, wie lange man wegbleibt. Die anderen Wartenden beziehen einen dann trotz Abwesenheit in die Schlange mit ein. Das Ausbrechen aus dieser Regel wird in Form tötender Blicke russischer Babuschkas geahndet. Die gesamte Schlange hilft beim Einhalten der Reihenfolge mit. Diese russische Art Stehens in der Schlange funktioniert sehr gut.

Bringen Sie zur russischen Post in jedem Fall Zeit und Geduld mit.


Haben Sie auch bereits Erfahrungen mit der russischen Post gemacht? Schreiben Sie dazu unten einen Kommentar oder berichten Sie uns auf Facebook oder Twitter von Ihren Erlebnissen. Hashtag: #RussischePost. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 

Fotoquelle

Quelle:

Bild von Menschen vor der Post: Flickr-Nutzer Denis Kortunov , Size changed to 100x667px., CC BY 2.0

Alle weiteren Bilder und Titelbild: Simon Schütt

 

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.