Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Wieland HelbingVon

Wie sieht es eigentlich in der russischen Zentralbank aus? Fünf interessante Details

Wir geben Ihnen hier einen kleinen Einblick ins Innere der russischen Zentralbank und haben dazu fünf interessante Fakten zu Gebäude und Innenleben der Bank für Sie gesammelt. 

Die Zentralbank der Russischen Föderation ist das, was in Deutschland die Bundesbank in Frankfurt ist. In den Blick der Öffentlichkeit rückte sie vor allem durch die Rubel-Krise im Winter 2014, als sie erst den Rubel sich selbst überließ und dann mit Not-Erhöhungen des Leitzinses auf teilweise bis zu 17 Prozent auf den Absturz der Währung reagierte. Im Nachhinein betrachtet, lobten viele internationale Experten diese Schritte als richtig. Notenbank-Chefin Elvira Nabiullina wurde sogar vom Magazin Euromoney 2015 zur „Besten Zentralbankchefin der Welt“ gekrönt.

Aber was wissen Sie über das Innere der Zentralbank? Wir haben hier fünf spannende Details zur Zentralbank für Sie aufgelistet, die Sie vielleicht noch nicht kannten:

1. Das Hauptgebäude ist deutlich größer, als es von außen aussieht

Gebäude russische Zentralbank

So ausladend ist die russische Zentralbank nach hinten.

Das Hauptquartier auf der Neglinnaja Ulitsa im Zentrum Moskaus ist deutlich größer, als man ihm das von außen ansieht. Im Inneren der russischen Zentralbank gibt es ein endlos erscheinendes Labyrinth von Gängen, Türen und Büros.

15 Minuten Fußmarsch gilt es teilweise jeden Morgen zum Büro zurückzulegen – allerdings nicht von der Metro, sondern nur innerhalb des Gebäudes. Das liegt nicht nur an der Strecke an sich, sondern auch an den Sicherheitskontrollen mit Ganzkörperscannern, die es zu durchlaufen gilt und einigen Kontrollen, bei denen die eigene Identität mithilfe von Chipkarten überprüft wird. Schließlich befindet man sich in einer wichtigen russischen Behörde. Zudem verlangsamt der allmorgendliche Ansturm der Mitarbeiter, die alle um 9 Uhr am Arbeitsplatz sein müssen, das Vorankommen innerhalb des Gebäudekomplexes zusätzlich.

Neben dem historischen Hauptgebäude (erbaut 1890-94; Link führt zu weiteren Bildern des Gebäudes), in dem sich auch die Eingangshalle befindet, gibt es drei große Anbauten. Sie sind mit A, B, und C (bzw. А Б В) gekennzeichnet und beherbergen jeweils bestimmte, thematisch verwandte Abteilungen.

Der Standort im Zentrum ist zudem nicht der einzige der Zentralbank. Über Moskau verteilt gibt es weitere Außenstellen und in den Regionen Zweigstellen.

Das Innere der russischen Zentralbank

Ein regelrechtes Labyrinth erwartet einen im Inneren der Zentralbank.

2. Die Zentralbank hat knapp 60.000 Mitarbeiter

In der Zentralbank arbeiten fast 60.000 Menschen. Die thüringische Stadt Weimar hat etwa so viele Einwohner. Nicht wenig, oder? Und das, obwohl im Verlauf des Jahres 2015 sogar rund vier Prozent der Zentralbank-Mitarbeiter entlassen wurden. Ende 2015 standen einem Bericht von RBC zufolge somit noch 58.100 Menschen in einem Beschäftigungsverhältnis mit der russischen Zentralbank.

3. Das durchschnittliche Monatsgehalt beträgt rund 125.000 Rubel

Das durchschnittliche Monatsgehalt der Mitarbeiter der Bank liegt bei 125.400 Rubel (rund 1750 Euro). 2014 lag es noch bei 120.900 Rubel. Das Top-Managment der Währungshüterin verdient aber deutlich mehr. Das Jahresgehalt der Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina betrug einem aktuellen Bericht von RBC zufolge 2015 24,1 Millionen Rubel, also etwa zwei Millionen Rubel im Monat (28.000 Euro).

Die Gehälter des Top-Managements haben in den letzten Jahren deutlich zugelegt. 2015 seien sie um 20-30 Prozent gestiegen, schreibt RBC. Der Gehaltssprung ein Jahr zuvor war aber noch deutlicher: 2013 verdiente Nabiullina noch 12,2 Millionen, 2014 waren es schon 21,9 Millionen – ein Anstieg um fast 80 Prozent. Auf Twitter sorgt der RBC-Artikel über den Gehaltsanstieg für hämische Kommentare: „Die von der Zentralbank wissen, wie man die Inflation in Angriff nimmt!“

4. Es gibt im Gebäudeinneren Geschäfte und sogar ein Fitnessstudio für die Mitarbeiter

Das Innere der russischen Zentralbank

Ein Brillengeschäft mitten in der Zentralbank.

Im Inneren der Zentralbank gibt es eigens Geschäfte für die Mitarbeiter. Kein Wunder, bei Mitarbeiterzahlen, die vergleichbar mit den Einwohnerzahlen einer Kleinstadt sind. Sogar ein Fitness-Studio findet sich dort. All diese Geschäfte sind entsprechend nur für die Mitarbeiter zugänglich, aber das lohnt sich offenbar für die Betreiber.

In dieser Rubel-Stadt gibt es fast alles, was man so braucht. Neben der üblichen Kantine (russ.: Stolowaja) gibt es dort zum Beispiel ein Brillengeschäft für die Schreibtischtäter. Wenn es noch interne Schlafmöglichkeiten gäbe, bräuchten die Mitarbeiter das Gebäude gar nicht mehr verlassen.

Die Geschäfte sind aber auch Anlaufstelle für Zentralbankneulinge, die sich in dem gigantischen Gebäudekomplex verirren. Die Betreiber der Geschäfte fungieren dann oft als menschliche Navigationssysteme. Berichten von Mitarbeitern zufolge sind sie immer gewillt, den Verirrten den richtigen Weg durch die Gänge der Zentralbank zu weisen.

5. Bei der Zentralbank ist der Anzug nicht immer Pflicht

Strenger Dresscode in der Zentralbank? Selbstverständlich, werden Sie sagen. Nicht unbedingt.

Obwohl die russische Zentralbank als offizielle Behörde und großer Arbeitgeber über ein sehr prestigebeladenes Image verfügt, wird erstaunlicherweise von Mitarbeitern, die im Mittelbau der Bank tätig sind, nicht erwartet, jeden Tag im Anzug oder Kostüm zu erscheinen. Ein legerer Alltagslook ist Insidern zufolge ausreichend, ein Business-Dresscode nicht Pflicht. Lediglich von Höhergestellten wird erwartet, den Kleidungsstil förmlich zu halten.


Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Artikel den Arbeitsalltag in der russischen Finanzzentrale etwas näher bringen konnten und freuen uns, wenn wir Sie mit dem einen oder anderen Detail aus der riesigen Maschinerie der Zentralbank Russlands überraschen konnten. Was hat Sie verwundert? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

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Fotos von Wieland Helbing

Wieland Helbing
Über den Autor

ist gelernter Fremdsprachenkorrespondent für die Sprachen Englisch und Französisch und studierte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universiteit Antwerpen das Lehramt an Gymnasien für die Fächer Englisch und Russisch.

Seinen Studienschwerpunkt setzte er dabei im Bereich der slawistischen Sprach- und Kulturwissenschaft.

Derzeit unterstützt er die Unternehmensberatung RUFIL CONSULTING als Marketing Assistent in Moskau.