Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Wieland HelbingVon

Nachbericht der 13. AEB-Flagship Conference: Attraktivität der russischen Regionen für ausländische Investoren

Am Vormittag des 25. Mai fand in Moskau die 13. Flagship Conference der Association of European Businesses (AEB) statt. Nachdem die Konferenz vom neuen Vorstandsvorsitzenden der AEB und CEO von Porsche Russland Thomas Stärtzel eröffnet wurde, drehte sich thematisch alles um Russlands Regionen und deren Sonderwirtschaftszonen. Zu den Vortragenden gehörten vor allem Vertreter eben jener Zonen, die vor allem mit Vorteilen im Steuer- und Zollrecht für ihre Regionen warben.

Um die russischen Regionen abseits der wirtschaftlichen Zentren voranzutreiben, wurden besondere Areale eingerichtet, in denen neu angesiedelte Unternehmen besondere Vorteile, wie beispielsweise steuerliche Vorteile, genießen: sogenannte Special Economic Zones oder Sonderwirtschaftszonen. In Russland wurden bislang 33 dieser Zonen eingerichtet. Mittlerweile haben sich dort rund 480 Unternehmen angesiedelt, zu denen 80 Investoren aus 29 Ländern zählen.

Die derzeit existierenden Zonen operieren in vier unterschiedlichen Bereichen:

  • Innovation/Technologie,
  • Industrie,
  • Tourismus
  • und Hafen/Logistik.

Deutschland unter den Top 5 der Investoren in Sonderwirtschaftszonen

Die höchsten Investitionen in diesen Zonen tätigten die USA mit 660 Millionen US-Dollar. Deutschland landet mit 196 Millionen Dollar auf dem vierten Platz der Investitionen, die in die russischen Sonderwirtschaftszonen flossen. Alle Investitionen sollen sich auf rund 8 Milliarden Dollar belaufen. In den Zonen wurden über 18000 Arbeitsplätze geschaffen.

13. AEB-Flagship Conference

Ein Banner von russez.ru, dem Portal für die Sonderwirtschaftszonen in Russland und einem der Konferenz-Sponsoren.

Diese Daten wurden vom Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation bekannt gegeben und als thematische Hinführung zu Beginn der Konferenz präsentiert (mehr Informationen auch auf der Website von Russez.ru).

Sonderwirtschaftszonen müssen für Personal attraktiv sein

Dass es kein leichtes Unterfangen für ausländische Unternehmen ist, den richtigen Standort zu finden, da mehrere Aspekte zu berücksichtigen sind, war als eine der Kernaussagen nahezu allen Redebeiträgen zu entnehmen. Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist dabei die Attraktivität des Standorts für zukünftige Arbeitskräfte.

Einerseits ist es oft ein Problem, dass in allzu abgelegenen Gegenden die ansässige Bevölkerung den Bedarf an Arbeitskräften zahlenmäßig einfach nicht abdecken kann, oder der Standort an sich nicht attraktiv genug ist, um Fachkräfte aus anderen Gebieten oder dem Ausland anzulocken.

So versuchen die Investoren aus dem Westen einen Kompromiss zu finden, indem sie sich im Hinterland Russland ansiedeln. Dort wollen sie die wirtschaftlichen Begünstigungen in Anspruch nehmen, sich aber gleichzeitig nicht zu weit von den wirtschaftlichen Zentren zu entfernen, um ihren Personalbedarf decken zu können.

Moskau spielt wirtschaftlich eine Sonderrolle

Bei der Suche nach dem geeigneten Standort spielt Moskau eine wesentliche Rolle. Dies begründet sich unter anderem darin, dass sich die russische Hauptstadt im europäischen Teil des Riesenlandes befindet und durch gute Infrastrukturen, eine hohe Dichte an Fachkräften und ihren internationalen Status als Weltmetropole ausländische Investoren anzieht.

Es seien gerade die Transportwege, die in den letzten 10 Jahren im europäischen Russland verstärkt ausgebaut wurden, um Investoren aus dem Ausland die wirtschaftliche Expansion zu erleichtern, erklärte Frank Schauff, Moderator des zweiten Panels, dass sich verstärkt mit den Sonderwirtschaftszonen beschäftigte (Link zum Programm). Dies erfolge zum Nachteil der Regionen jenseits des Urals, die durch fehlende Infrastrukturen für ausländische Investoren nur wenig Anreize bieten können.

So ist es auch kein Wunder, dass gleich mehrere Sonderwirtschaftszonen in Reichweite zu Moskau eingerichtet wurden, in denen sich wegen mehrerer wirtschaftlicher Vorteile bereits mehrere Unternehmen aus dem Westen des Kontinents angesiedelt haben (siehe Karte).

Sonderwirtschaftszonen in Russland

Sonderwirtschaftszonen in den russischen Regionen mit jeweiligem Schwerpunkt. Screenshot von Russez.ru.

Zwei statt 20 Prozent Gewinnsteuer und weitere Anreize

Ekaterina Evdokimova warb in den sieben Minuten, die jedem Redner zur Verfügung standen, für die Sonderwirtschaftszone Stupino Quadrat, bei der sie als Managing Partner arbeitet. Sie könne eine Gewinnsteuer von nur zwei Prozent in den ersten acht Jahren bieten, während im Rest der russischen Föderation 20 Prozent veranschlagt werden.

Des Weiteren muss Eigentum und Transport bis zehn Jahre nach der Eintragung gar nicht versteuert werden. Eigentlich wären 2,2 Prozent beziehungsweise 15 Prozent fällig. Die Mehrwertsteuer und Zollgebühren werden für Ausrüstung und Rohmaterialien zudem gänzlich erlassen. Als weiterer Anreiz wird der administrative Aufwand in diesen Zonen für die Investoren erleichtert. Insgesamt sparen Investoren aus dem Ausland bis zu 30 Prozent wenn sie in diese Sonderwirtschaftszonen investieren. Die meisten Sonderwirtschaftszonen, die im Konferenzzentrum des Moskauer Swissotels vorgestellt wurden, warben mit nahezu gleichen Anreizen im Bezug auf Steuern und Zoll.

Investitionen in Moskau steigen stetig

13. AEB-Flagship ConferenceNatalia Zubarevich, Director of regional programme im Independent Institute for Social Policy, hob in ihrem Redebeitrag jedoch auch die Attraktivität der Stadt Moskau als Investitionsstandort hervor und betonte dabei einmal mehr, dass die Riesenmetropole wegen der guten Infrastruktur, optimal für ausländische Investoren geeignet sei. Sie stützte sich in ihren Ausführungen dabei auf ein Investitionswachstum von 1,6 Prozent in der Immobilienbranche, wobei in diesem Zusammenhang zu bemerken sei, dass die Stadt selbst 23 Prozent der Investitionen tätige, die hauptsächlich in den Straßen- und Schienenverkehr flössen.

Stuart Lawson, Executive Director von EY, merkte dabei jedoch an, dass die wirtschaftliche Situation Moskaus keinesfalls mit der der abgelegeneren Gebiete verglichen werden dürfe, da Moskau seiner Ansicht nach keine realistische Perspektive auf die wirtschaftliche Situation in Russland biete.

Geographische Gegebenheiten bestimmten Investitionen in russischen Regionen

Ein weiterer Aspekt, der die Bestimmung eines geeigneten Unternehmensstandorts bestimmt, ist laut Vladimir Andrienko, dem Managing Partner von Russia Partners, die geographische Lage, die je nach Region unterschiedliche klimatische Gegebenheiten mit sich bringt. Auch das war ein Thema, das fast alle erwähnten.

So ist es für Firmen aus dem Ausland nicht unbedingt ratsam, sich für Gebiete jenseits des Urals zu entscheiden, da zu bestimmten Jahreszeiten die Zugänglichkeit zu eben jenen Landstrichen stark eingeschränkt sein kann, da die ohnehin schon wenigen Bahnstrecken im Winter oft nicht befahrbar sind. Antonio Linares, General Director von ROCA CIS, sagte in diesem Zusammenhang: „Wenn man Unternehmen in abgelegene Gebiete locken möchte, muss man auch die wirtschaftlichen Konditionen entsprechend anpassen“.

Abschließende Worte kamen in dem nur etwa zur Hälfte besetzten Konferenzsaal von Marcus Osegowitsch, dem Generaldirektor der Volkswagen Group Rus, der festhielt, dass „Russland ein großes Marktpotential und relativ geringe Steuern“ zu bieten habe, aber dass jedoch daran gearbeitet werden müsse, dass das Preis-Qualitäts-Verhältnis und das Tempo der Versorgungskette verbessert werden müsse, wenn Russland seine Kooperation mit ausländischen Investoren ausbauen wolle.

Des Weiteren wurde von Natalia Zubarevich, die das erste Panel der Konferenz moderierte, für die Zukunft prophezeit, dass Europas Wirtschaft auch künftig den europäischen Teil Russlands ins Auge fassen werde, da diese Areale aus den genannten Gründen zumindest mittelfristig die attraktivsten für Investitionsvorhaben blieben.


Hinweis: Weitere Informationen zu Sonderwirtschaftszonen hat auch die Wirtschaftskammer Österreich in einem guten Merkblatt zusammengefasst.

Fotoquelle

Quelle: Fotos (mit Ausnahme der Karte): Wieland Helbing.

 

Wieland Helbing
Über den Autor

ist gelernter Fremdsprachenkorrespondent für die Sprachen Englisch und Französisch und studierte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universiteit Antwerpen das Lehramt an Gymnasien für die Fächer Englisch und Russisch.

Seinen Studienschwerpunkt setzte er dabei im Bereich der slawistischen Sprach- und Kulturwissenschaft.

Derzeit unterstützt er die Unternehmensberatung RUFIL CONSULTING als Marketing Assistent in Moskau.